Brügge. (art) Man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen, auch wenn dazu ein bisschen geschummelt werden muss. Das gilt für die Radsportfans in Belgien, wo die anhaltenden Dopingdiskussionen die Euphorie nicht schmälern können, ganz besonders. Was macht es schon, dass es sich beim Hundertjahresjubiläum, das sie für die Flandern-Rundfahrt am Ostersonntag ausgerufen haben und mit viel Tamtam und Rahmenprogramm begehen, eigentlich um eine Irreführung handelt?

Zwar stimmt es, dass die "Ronde van Vlaanderen", die als einer der wichtigsten und schwierigsten Eintagesklassiker im internationalen Kalender dieser Sportart gilt, 1913, also vor hundert Jahren, das erste Mal ausgetragen wurde. Aufgrund des viermaligen Ausfalls des Rennens während des Ersten Weltkriegs erlebt sie am Sonntag aber genau genommen erst ihre 97. Auflage.

Gefeiert wird trotzdem, schon in der Früh wird der historische Marktplatz in Brügge, Ausgangspunkt der Fahrt nach Oudenaarde, gesteckt voll sein. Insgesamt pilgern jährlich rund 750.000 Menschen an die 256,2 Kilometer lange Strecke, die heuer in Bernhard Eisel und Daniel Schorn gleich zwei Österreicher in Angriff nehmen.

Und die hat es nicht nur von der Atmosphäre her, die der für das Sky-Team fahrende Eisel für nur mit einem Formel-1-Rennen oder vielleicht dem Skislalom in Schladming vergleichbar hält, in sich. 17 Anstiege sind zu bewältigen, die Kopfsteinpflasterpassagen auf engen und rutschigen Gassen sorgen für Spektakel, oftmals schwere Stürze und im besten Fall ein Ausloten der Schmerzgrenze der Athleten. "Im Ziel zittern deine Hände von dieser Schüttelpartie", meint Tom Boonen. Der Belgier hat in seiner radsportverrückten Heimat längst Kultstatus erlangt, was auch und vor allem daran liegt, dass er die Flandern-Rundfahrt schon dreimal, zuletzt im Vorjahr, gewonnen hat. Mit einem weiteren Sieg könnte er sich zum alleinigen Rekordhalter machen. Allerdings hat ihn eine hartnäckige Ellenbogenentzündung wertvolle Trainings- und Wettkampfkilometer gekostet. Neben ihm kommen auch noch andere Belgier für Spitzenplätze in Frage, Topfavorit ist für viele aber der Schweizer Fabian Cancellara, der mit "Vlaanderens mooiste", "Flanderns Schönster", wie die Belgier das Rennen auch nennen, noch eine Rechnung offen hat: Im Vorjahr zog er sich bei einem schlimmen Sturz gleich einen Vierfachbruch des Schlüsselbeins zu. Neben Boonen und Cancellara will auch der starke Slowake Peter Sagan eine Rolle spielen, viele Beobachter gehen aber davon aus, dass er mit den gefürchteten Kopfsteinpflasterpassagen seine Probleme haben wird.

So oder so werden jene Fahrer, die das Ziel in Oudenaarde, wo die Rundfahrt im vergangenen Jahr das erste Mal endete und passenderweise ein Radsportmuseum beheimatet ist, erreichen, froh sein, vom Sattel steigen zu können. "Für uns ist die Ronde die Hölle", sagt Eisel, "für die Fans ein riesiges Fest." Irgendjemand muss ja am falschen Geburtstag etwas zu feiern haben.