Wien. Sie hatten noch ihr ganzes Leben vor sich, die meisten noch nicht einmal das 30. Lebensjahr erreicht. Die Rede ist von jenen rund zwei Dutzend mehr oder weniger bekannten Fußballspielern, die in den vergangenen 20 Jahren während eines Trainings oder eines Spiels ihr Leben lassen mussten.

Das jüngste Opfer, der Nigerianer John Ikoroma, war 17 Jahre alt, als er im Februar 2000 während eines Freundschaftsspiels in den Arabischen Emiraten auf dem Rasen zusammenbrach. Ursache: Plötzlicher Herztod.

Den meisten Menschen frisch in Erinnerung sind zweifellos die Fälle von Piermario Morosini und Fabrice Muamba. Beide zählen zu den letzten Infarktopfern, die im Fußball zu beklagen waren. Während die Rettungskräfte dem 25-jährigen Italiener nicht mehr helfen konnten, überlebte Muamba - damals bei den Bolton Wanderers unter Vertrag - die Herzattacke.

Wäre bei jenem FA-Cup-Spiel gegen Tottenham Hotspur kein Defibrillator zur Hand gewesen, das Leben des Ex-Arsenalspielers aus dem Kongo wäre nicht mehr zu retten gewesen. Dieser Ansicht ist zumindest Florian Ettl vom Verein Plus, einer Hilfsorganisation, die sich gemeinsam mit der Heartbeat-Stiftung die Bekämpfung des Plötzlichen Herztods im Sport an die Fahnen geheftet hat. "Das Beispiel zeigt, wie jemand dank eines Defibrillators ins Leben zurückgeholt werden konnte, ohne langzeitige Schäden zu erleiden", erklärt der Notfallmediziner.

Defibrillatoren für Stadien, Fifa-Forderung unerfüllt

Um auf die Herztod-Gefährdung von Sportlern, insbesondere von Fußballspielern hinzuweisen, ist Ettl mit Mitarbeitern beider Einrichtungen seit Jahren in Österreich unterwegs. Und das durchaus mit gutem Erfolg, wie die Vereinsoberen bei einem Pressetermin am Mittwoch beim Wiener Viertligisten Viktoria feststellten. Ziel sei es, wie der Gründer der Stiftung, Gregor Fink, im Beisein von Ettl und Viktoria-Trainer Toni Polster erklärt, alle Fußballstadien und Sportplätze in Österreich - dazu zählt nun auch die Viktoria - mit mobilen Herzschockern auszustatten, um die Überlebenschance von Spielern und Fans zu erhöhen. "So wie der Defibrillator Muamba gerettet hat, so soll dies auch in Zukunft bei uns flächendeckend möglich sein", sagt Fink und wiederholt damit nur eine Forderung der Fifa, wonach möglichst alle Fußballstadien mit solchen Geräten ausgestattet werden müssen.

Dass die meisten Vereine, darunter auch Bundesligisten, in dieser Sache noch säumig sind, ist kein Geheimnis. Die Kosten in der Höhe von rund 2500 Euro pro Gerät lässt Ettl als Begründung nicht gelten. "Ein Menschenleben sollte uns das schon wert sein", sagt er. "Schließlich kann es ja jeden von uns treffen." Glaubt man den Statistiken, zählt der plötzliche Herztod tatsächlich zu den häufigsten Todesursachen in Österreich. Laut Ettl sterben jährlich bis zu 15.000 Österreicher an einer Herzerkrankung, in Deutschland liegt die Todesrate bei rund 100.000 Opfern. Wie viele davon Sportler oder Fußballer sind, kann der Mediziner auf Anfrage der "Wiener Zeitung" nicht beantworten. Weltweit sollen es aber an die 84 Kicker sein, die bisher auf dem Spielfeld ihr Leben lassen mussten. Ein eigenes Register wie in Deutschland, wo alle Fälle eingetragen werden, gibt es in Österreich nicht.

Aber wie kommt es, dass gerade junge Spieler gefährdet sind? "Wir wissen, dass die meisten Opfer bereits zuvor Herzbeschwerden hatten und deswegen den Belastungen nicht standhielten", so Ettl. Die Auslöser waren vor allem Rhythmusstörungen und Herzmuskelerkrankungen, allen voran hypertrophe Kardiomyopathie.

Fußballer sind nicht mehr gefährdet als Schwimmer

Dass Fußballer generell mehr gefährdet wären als Triathleten oder Schwimmer, will Puls-Mitarbeiter Ettl so nicht unterschreiben. "Die Fußballer haben kein höheres Risiko, es kommt allein auf die Belastung an, also auf die Maximalfrequenz und die Zahl der Belastungswechsel", sagt er. Eine Ausnahme gebe es nur beim Baseball, wenn ein Athlet zum Beispiel an der Brust vom Ball getroffen wird. Demnach könne ein derart fester Schlag lebensbedrohlich sein.

Dass nicht jedes Herz, besonders bei nicht erkannten Herzfehlern, zu defibrillieren ist, darüber sind sich Ettl und Fink im Klaren. Dass es aber auch nicht schaden kann, habe zuletzt der Fall Fabrice Muamba gezeigt. Der hatte übrigens nach seiner Genesung im April des Vorjahres mit dem Gedanken gespielt, mithilfe eines implantierten Defibrillators weitermachen zu wollen. Aber daraus wurde nichts. Muamba hatte großes Glück, da sollte man es nicht noch einmal herausfordern.