Wien. Die tägliche Turnstunde soll an ganztägigen Schulen ab sofort verpflichtend werden. Dies kündigte Unterrichtsministerin Claudia Schmied in einer Aussendung an. Per Erlass werde in der schulischen Tagesbetreuung und verschränkten Ganztagsschulen "ein Minimum von fünf Stunden pro Woche an Bewegung und Sport in allen Jahrgängen garantiert". Derzeit besucht knapp ein Fünftel aller Schüler bis 14 Jahre ganztägige Schulformen. Darüber hinaus soll die Mindeststundenanzahl für Bewegung und Sport an Hauptschulen und Neuen Mittelschulen von zehn auf 13 Wochenstunden (über alle vier Jahre gerechnet) steigen. Die Bandbereite für die Zahl der Turnstunden beträgt damit künftig 13 bis 19 Wochenstunden. Wie viele Stunden genau in welcher Klasse unterrichtet werden, kann innerhalb dieses Rahmens von den Schulen entschieden werden. Weiters soll die Schulaufsicht stärker auf die Abhaltung von Turnstunden drängen: Der Entfall sowie eine Blockung seien damit "nur noch im äußersten Notfall" möglich.

Der organisierte Sport, der in einer Online-Aktion mehr als 150.000 Unterschriften für die tägliche Turnstunde gesammelt hatte, reagierte grundsätzlich positiv. "Das zeigt, dass unsere Forderung und die Bewusstseinsbildung für mehr Bewegung und Sport gehört wurden", erklärte Peter Wittmann, Chef der Bundessportorganisation. Ziel sei es aber weiter, die tägliche Turnstunde "in der Volksschule und in allen weiteren Schultypen gesetzlich zu verankern". Kritik kommt unterdessen von den Grünen: Bildungssprecher Harald Walser ortet "ohne Budget eine reine Pflanzerei für Eltern". Man dürfe auf das Kleingedruckte gespannt sein - schließlich seien "schon jetzt nicht ausreichend Turnsäle und Freiräume vorhanden, um den bestehenden Anforderungen der Lehrpläne gerecht zu werden".