Stockholm. (rel) Das Schwizerdütsch ist ja für seine Kosenamen bekannt. Wenn Medien etwa über Erfolge der Nationalmannschaft im Fußball berichten, ist dann nicht von der Nationalelf, sondern stets von der Nati die Rede. Ähnliches gilt für das Eishockeyteam.

Tatsächlich ist der Beiname der Nationalauswahl - Eisgenossen - den Schweizern nicht erst seit ihrem starken Auftritt bei der Eishockey-WM in Stockholm ein Begriff, erfreut sich doch das Spiel auf dem Eis zwischen Genfer und Bodensee außerordentlicher Beliebtheit. Ablesen lässt sich dies auch an den Zuschauerzahlen, die mit jenen beim Fußball durchaus vergleichbar sind. Allerdings sind die Zeiten, in denen die Eisgenossen bei Weltmeisterschaften noch ganz vorn mitmischten, vorbei. Zuletzt auf dem Stockerl stand die Schweiz bei der Heim-WM 1953, wo man immerhin die Bronzemedaille errang. Das Kunststück von 1935, als man den Vize-Weltmeistertitel eroberte, konnte man seitdem nicht mehr wiederholen.

Was aber nicht bedeutet, dass die Schweizer das Eishockey verlernt hätten. Seit 15 Jahren bei Weltmeisterschaften immer unter den Top Ten, belegt das Team von Coach Sean Simpson aktuell den siebenten Platz in der Weltrangliste. Und besieht man die Performance in Stockholm, so liegen die Chancen der Eisgenossen für eine kleine Sensation, einen Stockerlplatz, gar nicht so schlecht.

Sogar Gruppensieg möglich

Zumindest das Viertelfinale ist für den aktuellen Tabellenführer in der Gruppe A klar in Reichweite. Dass die Schweiz den Aufstieg schaffen dürfte, ist da selbst keine Sensation - dieses Ziel hatte sich das Team ohnehin gesetzt -, sondern vielmehr, wie sie das zustande gebracht hat. Tatsächlich stellen die jüngsten vier Seriensiege - neben Slowenien gegen die großen Nationen Schweden, Kanada und Tschechien - eine beeindruckende Leistung dar, waren doch Top-Favoriten für WM-Gold dabei. "Das ist sicher mehr, als wir erwarten durften. Das ist sensationell", erklärt Trainer Simpson und hofft, den Siegeszug gegen die verbleibenden Konkurrenten Dänemark, Norwegen und Weißrussland fortsetzen zu können.

Spielen die Schweizer so weiter wie bisher, lockt sogar der Gruppensieg. Für das Selbstvertrauen des Teams wäre dieser Erfolg freilich mehr als zuträglich. Für eine Fortsetzung der Serie spricht aber nicht nur die hohe Moral der Eisgenossen, sondern vor allem ihr 1-3-1-System, in dem zwei Verteidiger hintereinander stehen und die beiden Flügel die Seiten abdecken. Gegen Tschechien konnten die Schweizern damit den Raum in der Mittelzone schließen und so ihre technisch wie läuferisch starken Gegner ausbremsen. Das funktionierte auch in den anderen Partien, wie die "Neue Zürcher Zeitung" bejubelt: "Sie schlugen die Kanadier nicht mit spektakulären Offensivaktionen, sondern dank cleverem Spiel."