Helsinki. (rel) Die französische Schützenhilfe ist am Ende ausgeblieben. Ebenso die Sensation gegen Russland. Nachdem Lettland Frankreich am Abend 3:1 geschlagen hat und die rot-weiß-rote Auswahl gegen den 24-fachen Weltmeister nach einem harten Kampf - bei einem Gesamtscore von 4:8 - immerhin vier Tore abgetrotzt hatte, ist es fix. Österreich hat bei der Eishockey-WM 2013 in Helsinki das gesteckte Ziel, den Klassenerhalt, nicht erreicht.

Um auf der Tabelle der Gruppe A vor den Balten, die man in der Vorwoche noch geschlagen hatte, zum Liegen zu kommen, hätte die Mannschaft von Teamchef Manny Viveiros gegen Russland mindestens einen Punkt holen müssen. Und die Österreicher waren näher dran, als dies von vielen Beobachtern erwartet worden war. Zwar geriet man gegen den Titelverteidiger bereits nach wenigen Minuten 0:2 in Rückstand, allerdings drehte die Mannschaft die Partie im ersten Drittel sensationell um. Denn nur 38 Sekunden später gelang bereits Matthias Iberer der Anschlusstreffer (9.) und plötzlich funktionierte auch das bisher so ineffiziente Powerplay.

Nationalteam holt 0:2 auf und geht sogar in Führung

Dem ersten Streich folgte binnen Sekunden auch schon der Zweite und der Dritte. Erst fälschte Thomas Vanek einen Schuss zum 2:2 ab (10.), und in Minute 16 ging das Team von Viveiros gar in Führung. Diesmal fälschte Raffl einen Vanek-Pass zum 3:2 ab. Allein die Russen fanden schnell wieder ins Spiel, Ilja Nikulin gelang schließlich im Zwei-Mann-Überzahlspiel noch im ersten Drittel der Ausgleich für die Russen, die mit nur fünf Torschüssen drei Tore erzielten. Im Mitteldrittel brachte Alexander Radulow die Russen im Powerplay wieder in Führung (25.), doch ein von Nikulin ins eigene Tor abgefälschter Schuss von Florian Iberer brachte den neuerlichen Ausgleich (28.). Sergej Mosjakin (32.) und Sergej Soin in Unterzahl (38.) sorgten aber dafür, dass die von ihrer Hochform weit entfernten Russen mit zwei Toren Vorsprung ins Schlussdrittel gingen. Dort war war für kämpfende rot-weiß-rote Auswahl nichts mehr zu holen, Nikita Sajzew (42.) und Jewgeni Kusnezow (50.) machten mit zwei weiteren Treffern alles klar.

Dass Österreich bei dieser WM - mit achtbaren Ergebnissen gegen Slowakei, Lettland und Russland - eine solide Leistung zeigte, bringt nicht nur Thomas Vanek und Co., sondern auch Teamchef Viveiros viel Anerkennung ein. Er war es immerhin, der dem Kader ein Defensivsystem verpasst sowie gemeinsam mit dem Verband in der Nachwuchsarbeit Initiativen gesetzt hat. Zwei Jahren feilte der Coach an einer besseren Zusammenschau von Teamstärke und Strategie. Und auch wenn Viveiros bei der Spielerauswahl keinen großen Schnitt gemacht hat, so hat sich das Team 2013 bisher viel besser präsentiert als in den Jahren davor. Der Teamchef selbst begründet die Steigerung mit der positiven Einstellung, die mittlerweile in der Nationalmannschaft Platz gegriffen habe. "Du kannst eine Mannschaft mit 25 Top-Spielern haben, wenn sie kein Team ist, bringt das nichts", sagte er.

Angesichts der guten Leistung, kann man davon ausgehen, dass die Chemie zwischen den Spielern diesmal tatsächlich gestimmt hat. Indem sie an dem von Viveiros vorgegebenen Defensivsystem konstant festhielten und gleichzeitig aber aggressives Forechecking betrieben, hatten die Österreicher in immerhin sechs von sieben bisherigen Partien zumindest einen Punkt oder gar einen Sieg in Griffweite. Dass nur die Auswahl von WM-Gastgeber Finnland imstande war, dem rot-weiß-roten Team beim 2:7 am Samstag die Kluft zur absoluten Weltklasse aufzuzeigen, spricht für Viveiros’ Weg.

Manny Viveiros setzt auf österreichischen Nachwuchs

Aber was nutzt alle Strategie, wenn es das Personal nicht umzusetzen weiß? Denn dass Stars wie Vanek oder Bernhard Starkbaum nicht ewig im Nationaldress spielen werden, dessen ist sich Viveiros durchaus bewusst. Weswegen er die Grundstruktur des Systems auch auf die nationalen U18- und U20-Auswahlen, die derzeit in der dritten beziehungsweise zweiten Leistungsstufe spielen, zu Anwendung bringen möchte.

Dass aktuell kein Teenager auf dem Sprung ins A-Team ist, ist für den Trainer nicht schlimm. "Wir wissen, dass wir mehr und besser ausgebildete junge Spieler produzieren müssen", bekennt Viveiros und nennt die französische Talente-Schmiede mit rund 9000 Nachwuchsspielern als Vorbild. In Österreich sind aktuell 2300 Jungspieler registriert.