Stockholm/Helsinki. (rel) Was bei Fußball-Europameisterschaften gang und gäbe ist, hat im vergangenen Jahr in Schweden und Finnland Auferstehung gefeiert. Erstmals seit 82 Jahren war die Eishockey-WM von zwei Gastländern organisiert und ausgetragen worden. Und weil es so gut funktioniert hat, wurde der Testlauf 2013 prompt an Ort und Stelle wiederholt.

Und geht es nach den Funktionären des internationalen Eishockey-Verbandes IIHF, soll aus der Ausnahme in den nächsten Jahren die Regel werden. Einen wesentlichen Beitrag dazu wird sie nun bei ihrer Konferenz in Stockholm leisten und die Doppel-Organisatoren der WM 2017 bekannt gegeben. Neben Deutschland und Frankreich um die Ausschreibung beworben haben sich auch zwei kleine Länder, Lettland und Dänemark. Während die Balten bereits über WM-Erfahrung verfügen - Riga war Host der WM 2006 -, betreten die Dänen als Neulinge die internationale Eisbühne.

Für Kopenhagen ergibt die gemeinsame Bewerbung durchaus Sinn, zumal die Nation so auf das Know-how des Partners zurückgreifen sowie - und das ist der eigentliche Hintergrund - Kosten sparen kann. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise wird es für kleine Länder immer schwieriger, das Turnier mit immerhin insgesamt 16 Teams zu stemmen. Die Ausnahmen im WM-Kalender bilden noch Weißrussland und Russland, die die Turniere 2014 und 2016 ausrichten werden. 2015 dagegen wird bereits an zwei Standorten, in Prag und Bratislava, gespielt.

Durchschnittsbesuch seit Jahren stark rückläufig

Allein, ganz so harmlos, wie sich die WM-Doppelbewerbungen darstellen, ist die Sache auch wieder nicht. Denn blickt man genau hin, so kann nicht geleugnet werden, dass sich der Eishockeysport derzeit in einer veritablen Krise befindet, in der das Austragungsdilemma nur ein Symptom von vielen beschreibt. Sichtbar wird der Niedergang des Eissports anhand der gesunkenen Besucherzahlen. Verfolgten etwa bei der WM 1989 in Stockholm noch durchschnittlich 9700 die Spiele in der Globe Arena, so waren es 23 Jahre später, beim ersten Teil der schwedisch-finnischen Doppel-WM, nur noch ein Drittel. Die Begegnung Deutschland-Italien wollten lediglich 1033 Fans sehen, beim ersten Auftritt der Schweden gegen Norwegen waren im Vorjahr nur gut 7000 Zuschauer dabei.

Aber nicht nur bei internationalen Turnieren bröckelt das Interesse am Eishockey. Und auch das lässt sich am Beispiel Schweden ablesen. Dort war die einst sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg versprechende schwedische Eliteserien zuletzt nur noch die Liga mit dem fünfhöchsten Zuschauerdurchschnitt in Europa. Der private Fernsehsender C More hatte sogar die Rechte am Play-off-Finale an eine andere Station veräußert, weil er zu wenig Werbung verkauft hatte und ein Defizit drohte.

IIHF lebt von TV-Rechten, aber wie lange noch?

Allein eine Lösung lässt noch auf sich warten. Die Vorschläge, die derzeit im IIHF diskutiert werden, sehen eine Stutzung der Teilnehmerzahl bei der A-WM von 16 auf 14 Teams vor, um so das Niveau zu heben. Auch sollen die Kartenpreise weiterhin niedrig gehalten werden, um sich nicht wie zuletzt bei der WM 2012 der Kritik des Wuchers auszusetzen. Allerdings, viel Spielraum bleibt dem IIHF in dieser Frage nicht, ist er doch selbst vom Zuspruch der Zuseher finanziell abhängig. Immerhin erhält der Verband aus den rund 30 Millionen Franken, die er für Marketing- und TV-Rechte einnimmt, die gesamte Eishockey-Bewegung.

Womit auch die Idee, die WM nur noch alle zwei Jahre durchzuführen, um ihren Stellenwert zu heben, wohl gestorben sein dürfte. Und mit der Ausrichtung von Doppel-Weltmeisterschaften allein wird es auch nicht gehen.