Stockholm/Helsinki. (rel) Es gab eine Zeit, da mussten die Finnen mit Niederlagen leben lernen. Und das nicht nur am Schlachtfeld, wie die zahlreichen Konflikte mit den früheren, zuerst schwedischen und dann russischen Besatzern beweisen. Den Kürzeren zog Finnland aber zunächst nicht nur in der Politik, sondern - mit Ausnahme des Athleten Paavo Nurmi - auch im internationalen Sportgeschehen.

So zum Beispiel im Eishockey. Das Spiel am Eis gilt im Land der Seen als Nationalsportart. Immerhin 62.000 lizenzierte Spieler soll es geben, das sind 1,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Das war aber nicht immer so, denn mit Erfolgen bei Welt- und Europameisterschaften oder bei Olympia war es anfangs nicht weit her. Ins kollektive Gedächtnis von Sporthistorikern und Fans eingebrannt hat sich etwa jene Niederlage vom 29. Jänner 1928, die ausgerechnet der Erzrivale Schweden der damals noch blutjungen Leijonat, wie das finnische Eishockey-Nationalteam in der Heimat genannt wird, beigebracht hatte. Die Partie vor heimischem Publikum endete mit einem 8:1-Kantersieg der Blau-Gelben. Besonders bitter wog die Tatsache, dass es sich dabei um das erste Länderspiel einer finnischen Auswahl überhaupt handelte.

Der Weg bis zur Weltspitze - Finnland liegt auf Platz zwei der Weltrangliste - sollte noch mehrere Jahrzehnte dauern. Das erste Mal bei Olympischen Spielen mit Platz zwei am Stockerl stand das Land 1988, vier Jahre später holte die Leijonat bei der WM in Prag erstmals Edelmetall. Seitdem gilt Finnland in Sachen Eishockey als Mitfavorit und krönte sich 1995 und 2011 sogar zum Weltmeister.

Finnische Auswahl hält zwei WM-Titel, Schweden acht

Die Chancen, das Kunststück am Samstag (15 Uhr) beim WM-Halbfinalschlager gegen Schweden in Stockholm zu wiederholen, stehen nicht schlecht. Und es gibt nicht wenige Landsleute, die sich eingedenk der historischen Niederlage vor 85 Jahren einen Sieg gegen Schweden und den Einzug ins Finale wünschen. Dass die Leijonat im Viertelfinale gegen die Slowakei ihre liebe Not hatte, eine komfortable 3:0-Führung vom ersten Drittel ins Ziel zu retten - die Partie endete mit 4:3 für Finnland -, hat zwar für eine Schrecksekunde im Lager der Finnen gesorgt, am Selbstvertrauen selbst dürfte der knappe Ausgang der Partie noch nicht genagt haben. Denn gegen Schweden anzutreten, ist für viele finnische Spieler Ansporn genug.

Ein Zugang, den die Finnen allerdings mit den Schweden teilen. Auch dort gilt der skandinavische Nachbar als Rivale, den es nicht mehr wie einst mit Gewalt, sondern im sportlichen Kräftemessen in die Schranken zu weisen gilt. Dabei dürfen die Gastgeber sogar auf Schützenhilfe aus dem Lager des Gegners hoffen, gehören doch immerhin 5,4 Prozent der Bevölkerung Finnlands - rund 290.000 Menschen - der schwedischen Minderheit an. Für einen möglichen Sieg der Tre Kronor spricht aber auch die Statistik: Acht Weltmeistertitel hat das Land, das seit 1920 Mitglied beim Internationalen Eishockeyverband IIHF ist, bereits gewonnen und 16 Mal Silber sowie 13 Mal Bronze geholt. Ähnlich erfolgreich waren die Schweden auch bei Olympischen Spielen, als man sich 1994 und 2006 die Goldmedaille sicherte. Zuvor war man insgesamt sechs Mal bei Olympia auf dem Stockerl gestanden, das erste Mal bei den Spielen 1928 in St. Moritz. Der 8:1-Erfolg gegen Finnland war zu dem Zeitpunkt nur wenige Wochen alt.

Sensation gegen Tschechien, Schweiz im Halbfinale

1928 war aber nicht nur das Jahr der schwedischen Nationalmannschaft, sondern auch der damaligen Gastgeberin, der Schweiz, die in St. Moritz WM- und Olympia-Bronze erreicht hatte. Fix auf Medaillenkurs sind die Eidgenossen aktuell auch bei der Weltmeisterschaft in Stockholm. Dort ist das Team von Nationaltrainer Sean Simpson nach einem sensationellen 2:1-Viertelfinaltriumph über Tschechien ins Halbfinale vorgerückt und trifft nun am Samstag (19 Uhr) auf die USA.