Bad Tatzmannsdorf. "Sollten wir uns für die EM qualifizieren, wären wir die erste Herren-Mannschaftssportart, die das in Österreich aus eigener Kraft geschafft hat." Das saß. Nun, so gänzlich unberechtigt war der Seitenhieb von Handball-Profi Viktor Szilagyi auf die bei Europameisterschaften bisher kaum erfolgreiche heimische Fußball-Nationalmannschaft nicht. Erstens ist die Eingabe, die der Nationalspieler im Vorfeld des ersten entscheidenden Qualifikationsspiels am Donnerstag gegen Bosnien-Herzegowina (17 Uhr/live ORF Sport+) machte, nicht falsch. Und zweitens hätten die Fußballer durch ihren Sieg gegen Schweden ohnehin schon das Maximum an medialer Aufmerksamkeit erhalten, meinte der Kapitän gegenüber der "Wiener Zeitung".

Grund genug also für das österreichische Handball-Herrennationalteam, vor der Abreise nach Sarajevo im Trainingscamp in Bad Tatzmannsdorf erneut die Werbetrommel für die mögliche Sensation zu rühren. Nicht nur ist man gegen die Bosnier - das Hinspiel im Oktober gewann Österreich souverän 35:24 - auch auswärts Favorit, sondern auch das Ticket für die Handball-EM 2014 in Dänemark absolut in Reichweite. Mit einem Sieg könnten Szilagyi und Co. einen großen Schritt in Richtung Dänemark machen. Gelingt das nicht, muss am Sonntag in Innsbruck vor heimischem Publikum dringend gegen Russland ein Erfolg her. Aber darauf will es im Team niemand ankommen lassen. "Russland ist ein harter Brocken", sagte Szilagyi, warnte aber gleichzeitig davor, Bosnien zu unterschätzen. "Sie können gefährlich sein und haben gezeigt, dass sie zu Hause stark sind."

Coach Jóhannesson warnt vor erstarkten Bosniern

In dieselbe Kerbe schlug auch Österreichs Teamchef Patrekur Jóhannesson. "Die bosnische Mannschaft hat sich neu aufgestellt, die haben junge frische Leute", rief er in Erinnerung. "So dumm bin ich nicht, zu denken, die nehmen das locker und nicht ernst. Die wollen sich doch auch vor dem Heimpublikum präsentieren." Weswegen man sich daher in der Begegnung auch auf mehrere Abwehrvarianten einstellen werde. Was es brauche, seien ein klarer Kopf, Selbstvertrauen und Respekt, meinte er. "Da gelten dann keine Ausreden, dass das Publikum zu laut oder der Schiedsrichter schlecht war."

Österreich rückt auf jeden Fall vollzählig und motiviert, mit nicht weniger als sieben Deutschland-Legionären, nach Bosnien an. Die Frage, warum es dem Team bisher nie gelungen ist, einer EM über die Qualifikation so nahe zu kommen, beantwortete Szilagyi so: "Wir haben meistens eine schwere Gruppe bekommen, bei der Qualifikation für die EM 2012 das Entscheidungsspiel gegen Deutschland verloren."

In der Tabelle reichte es damals tatsächlich nur für den dritten Rang, anstelle der Österreicher fuhren die Deutschen und Isländer - Letztere mit einem Punkt Vorsprung - zur EM nach Serbien. Dass man den damaligen Gastgeber und amtierenden Vize-Europameister in dieser Qualifikationsrunde im April geschlagen habe, sei aber ein herzeigbarer Erfolg gewesen. "Gegen Serbien haben wir gezeigt, dass wir auch große Nationen schlagen können", erklärte der 34-Jährige.

Für Partie gegen Russland "ist alles angerichtet"

Die nächste Gelegenheit für ein Duell mit einer "großen Nation" bietet sich für das Handball-Nationalteam schon am Sonntag in der Innsbrucker Wasserkraft-Arena. Für das Entscheidungsspiel gegen Russland wurden bisher 2700 der insgesamt 3500 Eintrittskarten (ab 15 Euro) vergeben, das Team darf daher mit einer vollen Halle rechnen. Coach und Kapitän können zufrieden sein: "Die Stimmung ist sehr gut. Es ist alles angerichtet", so Szilagyi.