Innsbruck. (rel) Wenn die alten Griechen die Vokabel "historikós" benutzten, versuchten sie damit zunächst die Einzigartigkeit eines Ereignisses in der Geschichte zu beschreiben. Auf der anderen Seite aber besaß und besitzt der Begriff als Substantiv auch noch eine zweite Bedeutung, nämlich die des Geschichtsschreibers.

Für die österreichische Nationalmannschaft im Herren-Handball treffen aktuell beide Begriffe zu. Nicht nur haben Kapitän Viktor Szilagyi und Co. mit der gelungenen Qualifikation für die Europameisterschaft 2014 in Dänemark Historisches geschafft, sondern auch als Kollektiv österreichische Sportgeschichte geschrieben. Noch nie hatte es bisher ein nationales Herrenteam in einer populären Mannschaftssportart aus eigener Kraft geschafft, in ein EM-Turnier einzusteigen. Waren die Österreicher 2010 als Gastgeber noch fix gesetzt gewesen, so gelang es der Mannschaft von Teamchef Patrekur Jóhannesson Sonntagabend doch noch, das Ticket für Dänemark zu lösen - und zwar einen Punkt hinter Serbien, auf Platz zwei der Gruppe 7. Der 30:25-Sieg gegen Russland machte es möglich. Wenn auch nicht ganz: Schließlich wäre Österreich auch im Fall einer Niederlage als bester Gruppendritter qualifiziert gewesen, und das dank der Hilfe von Weißrussland, das fast zeitgleich in Slowenien 35:33 gewonnen hatte. Der Joker ging letztendlich an den Verlierer: Russland.

Als Trainer, Spieler und Funktionäre angesichts dieser Leistung vor die Presse traten, war "historisch" das meistgebrauchte Wort. "Für mich war es der größte Erfolg mit dem Nationalteam", sagte Kapitän Szilagyi nach dem Spiel nannte auch gleich den Grund für die gute Performance: "Wir haben eine gesunde Mischung aus Jung und Alt." Über den "historischen Erfolg" erfreut und von den Emotionen überwältigt zeigte sich am Abend auch Teamchef Jóhannesson, mahnte aber die Spieler auch zu Disziplin. "Jetzt sollen sie feiern und zwei Wochen Urlaub genießen. Dann beginnt die Vorbereitung", sagte er. In dieselbe Kerbe schlug auch Konrad Wilczynski, sechsfacher Scorer gegen die Russen: "Wir haben Historisches geschafft. Aber es geht um mehr. Jetzt muss Handball massentauglich werden. Wir haben ja gezeigt, was wir können", meinte der Profi, der nach fünf Jahren bei den Berliner Füchsen zum HLA-Klub West Wien gewechselt war und dort als Manager tätig ist.

Deutschland erstmals bei EM-Endrunde nicht dabei

Die Auslosung der EM-Endrunde, die am 12. Jänner 2014 angepfiffen und über 14 Tage ausgetragen wird, findet am Freitag im dänischen Herning statt. Wie der in Wien ansässige europäische Handballverband (EHF) am Montag bekannt gab, wird Österreich als Gruppenzweiter in Topf 4 gesetzt sein. Die Gruppenersten und -Zweiten sind in Topf 1 oder 2 gesetzt, Dänemark als Veranstalter ist als Erster in Topf 1 in Herning in Gruppe A fix gesetzt. Gespielt wird in Aalborg, Aarhus, Ballerup und Herning. Bei der EM nicht mit dabei sein wird erstmals in seiner Geschichte das Team aus Deutschland. Es hat die Qualifikation als Dritter in ihrer Gruppe knapp verpasst, deutsche Medien sprechen demnach sogar von einer historischen Pleite. Es gibt immer mehrere Wege, Geschichte zu schreiben. Insofern haben Österreicher und Deutsche, zumindest was den Handball betrifft, etwas gemeinsam.