Glasgow. (may) Wir schreiben das Jahr 1744. Die "Honourable Company of Edinburgh Golfers", einer der ältesten organisierten Golfklubs der Welt, schickt sich an, Geschichte zu schreiben. Angeführt vom begnadeten Pionier des Sports, John Rattray, werden erstmals die Grundregeln des Golfs festgeschrieben - die "13rules of play". Rettray selber sollte schließlich dieses erste Turnier nach fixen Regeln für sich entscheiden und später zum ersten Präsidenten des Klubs aufsteigen. Die "rules of play" sind heute auf 34 Regeln angewachsen, die "Honourable Company of Edinburghs Golfers" gibt es immer noch - seinen Sitz hat sie im schottischen Muirfield.

Dort, wo gestern, Donnerstag, die 142. British Open starteten. Das älteste Major-Turnier im Golf-Sport wird seit 1860 veranstaltet, der Austragungsort wechselt derzeit zwischen neun Plätzen - zuletzt war Muirfield im Jahr 2002 (Sieger der Südafrikaner Ernie Els) Austragungsort. Somit ist der Sport zu einer seiner Wiegen auf den britischen Inseln zurückgekehrt.

Mit dabei ist diesmal auch wieder ein Österreicher: Bernd Wiesberger, der Weltranglisten-58. aus dem Burgenland, feierte in Muirfield sein Debüt beim traditionsreichsten Golf-Turnier und darf sich nach dem ersten Tag gute Chancen auf den Cut ausrechnen. Mit einer soliden 71er-Par-Runde klassierte sich der Oberwarter im vorderen Drittel des Klassefeldes. "Es war ein solider Start heute. Und es ist eine großartige Anlage", kommentierte der 27-Jährige auf seiner Homepage. Bei seiner Major-Premiere bei den PGA-Championships im August 2012 hatte der Profi die Qualifikation für das Wochenende noch verpasst. Als beste Major-Platzierung eines Österreichers scheint der zwölfte Platz von Markus Brier bei den British Open 2007 in der Statistik auf.

Auf der Rechnung muss man diesmal auch wieder Tiger Woods haben: Der Weltranglisten-Erste greift nach einer Verletzungspause nach seinem vierten British-Open-Sieg - allerdings währt die Durststrecke des 37-Jährigen nun schon lange: Seit den US Open 2008 läuft Woods einem Titel bei einem der vier größten Turniere nach. Woods, der in Muirfield von seiner Partnerin, der rekonvaleszenten US-Skifahrerin Lindsey Vonn, begleitet wird, gibt sich aber gelassen. "Ich hatte bisher ein recht gutes Jahr. Obwohl ich nicht gewonnen habe, hatte ich doch mehrere Chancen. Irgendwann schaffe ich es", sagte er.

Der 14-fache Gewinner von Major-Turnieren, der seine erste Runde am Donnerstag mit zwei unter Par beendete, freute sich im Vorfeld auf die Herausforderung, die der Linkskurs an der Küste Schottlands mit sich bringt. "Ich liebe dieses Turnier, es ist so nett, diese Art von Golf spielen zu können. Das Nette daran ist, dass es berechenbar und gleichzeitig so unberechenbar ist." Im Gegensatz zu anderen Linksplätzen verläuft der Platz in Muirfield nicht direkt am Meer, sondern zieht sich in zwei entgegengesetzt verlaufenden Schleifen entlang eines Hügels. Daher verlaufen die Löcher nicht in dieselbe Richtung, was zu ständigen Wechseln der Windrichtung führt.

Mickelson Top-Favorit

Als Top-Favorit auf den Titel gilt diesmal aber Phil Mickelson, der sich zuletzt in Schottland in Top-Form präsentiert und die Generalprobe, die Scottish Open, für sich entschieden hat. Der US-Amerikaner startete am Donnerstag mit einer 69er-Runde (-2) und behielt sich damit alle Chancen auf den Major-Titel.