Kitzbühel. (art) Ein Autogrammjäger hier, ein Fotowunsch da. Um Dominic Thiem, Österreichs einzigen Viertelfinalisten beim bet-at-home-Cup und Bezwinger von Jürgen Melzer, ist in Kitzbühel so etwas wie ein kleiner Hype entstanden. Ungeachtet seiner Partie gegen Albert Montañés - Thiem unterlag nach 73 Minuten 4:6, 3:6 - wird nun von Euphorikern sogar wieder einmal eine hoffnungsvolle Zukunft des österreichischen Tennis heraufbeschworen.

Günter Bresnik, derzeit in New York weilender Betreuer des 19-Jährigen, hört Derartiges jedoch nicht so gerne. "Dominic ist nicht das österreichische Tennis", hatte er schon davor, als Thiem im Vorjahr beim Turnier in der Wiener Stadthalle ebenso wie nun in Kitzbühel letzter Österreicher im Bewerb war, gemeint. Schließlich basiert das Projekt Thiem vor allem auf einer Einzelinitiative, auf Eltern als (Haupt-)Financiers und einer Trainingsgruppe, die weitgehend unabhängig vom Verband agiert. Divergierende Interessen, gepaart mit den üblichen Querelen um Geld, Macht und nicht selten persönliche Eitelkeiten, können durchaus als ein Grund gesehen werden, der Kindern und Jugendlichen hierzulande den Weg nach oben nicht eben erleichtert. Immerhin sind abgesehen von Thiem alle anderen Österreicher unter den Top 500 mindestens 23 Jahre alt. Allerdings ist dies kein österreichisches Spezifikum: Schließlich hat sich der Zeitpunkt, zu dem üblicherweise der Wechsel vom Junioren- in den Profibereich vollzogen wird, in den vergangenen Jahren deutlich nach hinten verschoben, auch der Sprung in die Top 100 gelingt immer später.

Kitzbühel plant längerfristig

Die Ursachen für diesen Trend sind vielfältig: Der Tennissport ist physisch herausfordernder geworden, was vielen im Wachstum befindlichen Jugendlichen Schwierigkeiten bereitet, zudem gibt es keine Satellite-Turniere mehr, die etwa noch bei den Anfängen von Melzer und Stefan Koubek die beste Einstiegsmöglichkeit unterhalb der Future-, Challenger- und ATP-Ebene waren.

Während die Möglichkeiten, bei kleineren Turnieren Punkte zu sammeln, damit immer geringer werden, steigen die Reisekosten - und dass das nicht gerade die besten Herausforderungen für junge Sportler sind, ist offenkundig. Auch deshalb kommt Turnieren im Inland eine besondere Bedeutung zu. Hier haben die Turnierverantwortlichen zumindest durch die Vergabe von Wild Cards - wie etwa in Kitzbühel an Thiem im Hauptbewerb sowie den 17-jährigen Lucas Miedler und den 15-jährigen Matthias Heim in der Qualifikation - die Möglichkeit, jungen, heimischen Talenten eine Plattform zu bieten.

Ein Ende des Turniers in Kitzbühel, das vor wenigen Jahren noch im Raum gestanden ist, wäre in dieser Hinsicht fatal gewesen. Zumindest diesbezüglich macht man sich aber derzeit keine Sorgen mehr. Die Baisse scheint überwunden, schon im Vorverkauf wurden diesmal um 20 Prozent mehr Karten abgesetzt als im Vorjahr. Beim Generationenduell zwischen Thiem und Melzer musste erstmals seit 2004 der obere Rang geöffnet werden.

Für das kommende Jahr, für das die Lizenz noch beim US-rechtevermarkter Octagon liegt, ist die Austragung gesichert, auch für die Zeit danach sieht Herbert Günther, Präsident des austragenden Kitzbühler Tennisvereins, keine Probleme. "Jetzt sind wir wieder angekommen, wir können langfristig planen. Die Verträge werden demnächst unterzeichnet", erklärt er. Turnierdirektor Alexander Antonitsch setzt auf ein Wachstum "Step by Step" und hat schon einen konkreten Wunsch für die 70. Auflage im kommenden Jahr: "Ziel muss sein, einen Top-Ten-Spieler zu verpflichten", sagt er, wissend, dass das angesichts der unmittelbar darauf folgenden Hardcourt-Saison in Übersee schwierig sein dürfte. Zumindest am Ambiente sollte es aber nicht scheitern, meint ATP-Supervisor Thomas Karlberg, seit vielen Jahren Stammgast in Kitzbühel. "Es herrscht eine sehr gute Stimmung, kein Vergleich zu früher. Kitzbühel lebt." Immerhin.