Monza. (art) Wer Monza sagt, meint Formel 1, meint eigentlich Ferrari. Denn spätestens seit das eigentliche Heimspiel der Scuderia, der Grand Prix von San Marino in Imola, vor sechs Jahren wegen Überalterung der 1953 eröffneten Strecke aus dem WM-Programm gestrichen wurde, ist das Autodromo Nazionale di Monza für die Ferraristi das Mekka schlechthin. An diesem gut 30 Jahre davor erbauten und seit Anbeginn der Formel-1-WM 1950 mit einer einzigen Ausnahme im Kalender befindlichen Schauplatz fahren sie jedenfalls noch immer. Oder besser: rasen sie noch immer. Denn das Rennen, das diesen Sonntag (14 Uhr) in der Lombardei steigt, ist nicht nur eines, das Traditionalisten erfreut, die ob der zunehmenden Zahl an mit Öl- und Gasmillionen aus dem Boden gestampften Retortenkursen mangelndes Flair beklagen, sondern auch eines der spektakulärsten im Kalender. Auf den Hochgeschwindigkeitspassagen werden Spitzen um die 340 Stundenkilometer erreicht, in den Schikanen muss das Tempo um bis zu 250 Stundenkilometer gedrosselt werden. Wer hier als Erster die Ziellinie überquert, erlebt Emotionen, die sonst allenfalls in Monaco zustande kommen - und wenn es sich dabei um einen Ferrari-Fahrer handelt, wenn tausende rote Flaggen mit dem schwarzen Pferd gewachelt werden, trifft dies ganz besonders zu.

"Gänsehaut pur"

Fernando Alonso, aktuelles Ferrari-Aushängeschild, hat dies 2007 und 2010 erlebt, mit einem weiteren Sieg will er den Rückstand auf den WM-Führenden Sebastian Vettel verkürzen. Aktuell liegt Alonso 46 Punkte hinter dem deutschen Dreifach-Weltmeister. Und auch der Spanier weiß um die emotionale Bedeutung des Rennens bescheid. "Wir wollen den Tifosi ein Lächeln schenken", sagt der zweifache Weltmeister vor dem zwölften Saisonlauf. Favorit ist und bleibt jedoch der Deutsche, dessen Red Bull wie für die Highspeed-Passagen in Monza gemacht scheint. Auch Vettel, im Vorjahr allerdings nach einer Durchfahrtsstrafe und einem Defekt an der Lichtmaschine ausgeschieden, hat hier schon zweimal gewonnen. 2008 schrieb er in Monza das erste Kapitel seiner Erfolgsgeschichte, als er sich, damals noch im Toro Rosso und als krasser Außenseiter, mit 21 Jahren und 73 Tagen zum jüngsten Grand-Prix-Sieger kürte. "Das ist Gänsehaut pur", sagt er.

Mittlerweile ist Vettel die klare Nummer eins bei Red Bull - auch wenn das so keiner sagt, war die kürzlich erfolgte Beförderung des unerfahrenen Daniel Ricciardo zum Zweitfahrer ein klares Indiz für die Untermauerung seiner Vormachtstellung beim österreichisch-englischen Rennstall -, dreifacher Weltmeister und drauf und dran, die WM zum vierten Mal für sich zu entscheiden. Gewinnt er beim Europa-Finale in Monza, wäre ihm der Titel kaum noch zu nehmen. Und gegen ein bisschen Ferrari-Ärgern hätte er wohl auch nichts einzuwenden.