Wien. Es war ein Treueschwur von unerwarteter Seite. "Auf ewig" werde man die gegenseitigen Klagen ruhend stellen, teilte der österreichische Schwimmverband OSV am Mittwoch nach einem Gespräch zwischen Birgit Fürnkranz-Maglock, Präsidiumssprecherin des heimischen Verbandes, Schwimm-Rebell Dinko Jukic und Rio-2016-Koordinator Peter Schröcksnadel, der zum Chefverhandler beim Krisengipfel ernannt worden war, mit. Die seit eineinhalb Jahren zerstrittenen Parteien haben sich ausgesöhnt, ab sofort wird Jukic, der wegen Funktionärsbeleidigung im Mai 2012 für ein Jahr gesperrt gewesen war und seither einen juristischen Feldzug gegen den OSV geführt hat, wieder für Österreich beziehungsweise den Verband an Wettkämpfen teilnehmen.

Angesichts der Vorgeschichte, die den Verband zwei Präsidenten - Paul Schauer und Christian Meidlinger - und noch mehr an Image gekostet hatte, zeigten sich alle Beteiligten dann auch standesgemäß erfreut über die Einigung. "Ich freue mich sehr, dass das erste Gespräch zwischen Dinko Jukic und mir so positiv verlaufen ist. Damit sind die Weichen für Olympia 2016 in Rio gestellt, der OSV hat den derzeit besten österreichischen Schwimmer wieder an Bord", erklärte Fürnkranz-Maglock in einer Aussendung. "Ich bin sehr froh, dass jetzt ein Schlussstrich gezogen wurde und ich jetzt nach vorne schauen kann", sagte auch der Olympia-Vierte. Dann gab’s ein Shakehands und ein gemeinsames Erinnerungsfoto, damit ist die Causa, die den Verband ins Chaos gestürzt hatte, erledigt, auf ewig quasi.

Oder doch nicht? Schließlich war der Streit mit Jukic nicht die einzige Baustelle, die Fürnkranz-Maglock von ihren beiden Vorgängern geerbt hat. Jukic hatte unter anderem die heimische Funktionärsmentalität, Unprofessionalität und Ressourcenverschwendung zu Lasten der Sportler kritisiert - und damit, wenn auch nicht in der Tonart, so doch inhaltlich, von vielen Kollegen und (Ex-)Trainern Zustimmung erhalten. Auch Fürnkranz-Maglock hatte bei ihrer Bestellung vor etwas mehr als einem Monat eingeräumt, dass "Fehler gemacht" worden seien, etwaige Reformen harren allerdings noch einer Ausarbeitung.

Zudem bedeutet die nunmehrige Einigung längst noch nicht das Ende einer Klage- und Gegenklagewelle, von der der Schwimmsport zuletzt überrollt worden war. Zwar beauftragte Jukic seinen Anwalt Thomas Krankl umgehend damit, die Schadenersatzklage gegen den Verband wegen seiner Sperre fallen zu lassen, doch zwei andere Fälle sind nach wie vor gerichtsanhängig. Der SC Austria Wien, der bisherige Verein des 24-Jährigen, hat erst Mitte Juli, ebenfalls vertreten von Krankl, eine Klage auf Aufhebung seines Verbandsausschlusses eingebracht; der OSV wiederum im Gerichtsfall rund um den früheren Salzburger Landesverband Berufung angemeldet.