Schwechat. (art) Die ersten Bewerbe sind geschlagen, nun beginnt die Tischtennis-EM wieder ganz von vorne. Nachdem die deutschen Teams mit den Goldmedaillen bei Damen und Herren einen seit 1982 einmaligen Doppelschlag hingelegt und die österreichischen mit den Plätzen sieben und neun das Plansoll erreicht haben, darf’s im weiteren Turnierverlauf auch für die heimischen Asse in Schwechat ein bisserl mehr sein. Neben den Routiniers Robert Gardos und Chen Weixing, der auf ein Antreten im Doppel zugunsten des Einzels verzichtet, will sich vor allem SVS-Niederösterreich-Spieler Stefan Fegerl in seiner Heimhalle ins Rampenlicht spielen.

Der Oberösterreicher, dessen Karriere 2009 mit seinem Wechsel nach Schwechat so richtig in Schwung gekommen ist, hat sich schon vor den Titelkämpfen "in der Form meines Lebens" gefühlt - und dieser Ansage im Teambewerb Taten folgen lassen. Als Einziger der Österreicher stand er in allen Länderkämpfen an der Platte, nach der Niederlage gegen den deutschen Weltranglistensechsten und EM-Favoriten Dmitrij Ovtcharov gewann er alle weiteren Spiele. Ähnliches traut er sich auch im Einzel, das für ihn am Freitag beginnt, und im Doppel mit Feng Xiaoquan zu. "Gerade bei Europameisterschaften kann sehr viel passieren", sagt Fegerl. "Es kann im Grunde jeder jeden schlagen. Natürlich kann man auch sehr schnell verlieren, aber ich glaube wirklich, dass eine Medaille ein realistisches Ziel ist. Diese Möglichkeit geistert natürlich immer im Kopf herum." Und Fegerl spricht durchaus aus Erfahrung: Im vergangenen Jahr hatte er bei der EM in Herning mit dem Sieg gegen den als Nummer vier gesetzten Dänen Michael Maze die Fachwelt überrascht, ehe in der zweiten Runde dann das Out kam.

Im Doppel stieß er mit Feng, mit dem er schon seit vielen Jahren ein eingespieltes Duo bildet und unter anderem Jugend-Vizeeuropameister war, immerhin ins Viertelfinale vor. "Ich glaube, wir haben eine gute Chance", meint Feng.

Wachablöse kommt

Auf diese beiden Spieler beziehungsweise den 26-jährigen Daniel Habesohn, der im Doppel mit Robert Gardos den Titel verteidigt, baut der österreichische Verband auch für die Zukunft. Die Karrieren von Ex-Weltmeister Werner Schlager und Chen Weixing, beide 41 Jahre alt, neigen sich dem Ende zu, auch der 34-jährige Gardos wird von etlichen Wehwehchen geplagt und wohl nicht mehr ewig spielen. Mit der Verpflichtung des polnischen Trainers Jarek Kolodziejczek, der im Sommer nach 18 Jahren auf Langzeitcoach Ferenc Karsai folgte, von ihm aber immer noch Tipps bekommt, hat der Verband die Weichen in Richtung Zukunft gestellt. Der 42-Jährige war lange als Nachwuchsbetreuer aktiv und will die Jugendförderung auch weiterhin forcieren. "Ich möchte strukturell und kontinuierlich arbeiten", sagt er.

Im Vergleich zu seinem Pendant bei den Damen, Liu Yan Jun, hat er mehr Breite zur Verfügung. Denn obwohl die Damen mit Liu Jia sowie den eingebürgerten Spielerinnen Amelie Solja und Sofia Polcanova derzeit ein konkurrenzfähiges Team stellen, sieht es dahinter eher mager aus. Hinter den Topspielerinnen sieht der Teamchef derzeit nur die 15-jährige Karoline Mischek, der in näherer Zukunft der Anschluss zuzutrauen ist. Die Wienerin, die in der Werner-Schlager-Akademie trainiert und für den FC Flötzersteig spielt, ist derzeit in der Einzel-Qualifikation am Werk, der Sprung in den Hauptbewerb ist für sie aber wohl nicht in Reichweite. Die Ziele sind momentan andere: "Ich möchte mich für die olympischen Jugendspiele qualifizieren", sagt Mischek.