Mailand. (art) "Da ist die große Liebe für eine bestimmte Sache und gleichzeitig die Zufriedenheit und die Erleichterung bei dem Gedanken, die Sache in gute Hände gegeben zu haben", erklärte Massimo Moratti. Es waren durchaus gemischte Gefühle auszumachen bei dem Noch-Eigentümer und Präsidenten von Inter Mailand, als er am Dienstag den Verkauf des Vereins an den indonesischen Investor Erick Thohir verkündete. "Es ist alles unterschrieben", sagte Moratti.

Wie viele Anteile Thohir erwirbt, war zunächst allerdings unklar. Moratti selbst hielt 98,3 Prozent an dem Verein, zuletzt war in Medien davon ausgegangen worden, dass 70 Prozent davon an den 43-jährigen Indonesier gehen würden, der Kaufpreis soll bei rund 300 Millionen Euro liegen. Auch dazu, in wieweit Moratti weiter eingebunden sein wird, gab es zunächst keine Stellungnahme. "Wir werden sehen", sagte der 68-Jährige vage. In den vergangenen Wochen waren die Zeichen allerdings eher auf Abschied gestanden. "Ich muss an die Zukunft denken und dem Verein bessere Möglichkeiten eröffnen als die momentanen", hatte er gemeint.

Medienmogul und Sportfan


Die Verhandlungen hatten sich monatelang hingezogen, ehe nun die Einigung verkündet werden konnte. "Ich bin zufrieden, es hat lange gedauert, aber es scheint mir, dass die Sache ausgeglichen ist", sagte der Noch-Klub-Patriarch, der in den 18 Jahren seiner Regentschaft, in denen die Mailänder 16 Titel errangen, rund 750 Millionen Euro investiert hatte. Für Inter endet damit eine Ära, in der der Klub nicht nur erfolgreich war - der größte Coup gelang 2010 mit dem Champions-League-Sieg unter Trainer José Mourinho -, sondern sich auch Moratti große Sympathien unter den Fans erworben hatte. Zwar gab es hin und wieder Kritik an den Transfergeschäften, angesichts der Proteste, die es bei anderen Vereinen bisweilen gegen die Besitzer gibt, war das Verhältnis zwischen ihm und den Fans aber von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Vielleicht lag dies daran, dass die Familie Moratti nicht erst seit seiner Übernahme eng mit dem Klub verbunden ist. Schon sein Vater Angelo war dem Verein von 1955 bis 1968 vorgestanden und hatte ihn in dieser Zeit zu einer Weltmarke geformt.

Thohir dagegen ist im Calcio ein unbeschriebenes Blatt, im Ausland allerdings als großer Sportenthusiast bekannt. Der Medienmogul ist Miteigentümer der Philadelphia 76ers, Präsident der Southeast Asia Basketball Association, seit einem Jahr Mitbesitzer des Major-League-Soccer-Klubs D.C. United und unterhält zudem einige Sportklubs in Indonesien. Für Inter Mailand soll der Deal nun dringend nötiges neues Geld in die klamme Klubkassa bringen. Der Verein hat Schulden von rund 300 Millionen Euro, die Serie A ohnehin in den vergangenen Jahren an Attraktivität eingebüßt. Während ausländische Mäzene kräftig in anderen großen Ligen wie England und Frankreich investieren, ist Italien kaum von Interesse. Zumindest für Inter hat sich das nun geändert.