Sotschi. (rel/apa) Dass Österreicher wie Deutsche in Sotschi, dem Austragungsort der XXII. Olympischen Winterspiele, mitunter eine Sonderbehandlung erhalten, ist nicht nur ihrem Status als führende Wintersportnationen geschuldet. Es sind vor allem die engen wirtschaftlichen und politischen Bande zu Russland - unter anderem eingefädelt durch den österreichischen Manager der russischen Investmentgesellschaft Basic Element, Siegfried Wolf -, die beide Länder sowie ihre Olympischen Komitees zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen wissen.

Wie das geht, hat etwa das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) im Rahmen eines Kurzbesuchs in der Schwarzmeermetropole am Donnerstag vorexerziert. Anders als die meisten Länderdelegationen, die aus Platzgründen in der Stadt Sotschi-Adler untergebracht sein werden, haben die Deutschen und Österreicher ihr Quartier im 45 Kilometer entfernten Bergort Krasnaja Poljana, dem eigentlichen Epizentrum der Skibewerbe, aufgeschlagen. So hat sich das ÖOC in das Hotel "Melody of Mountain", unweit der alpinen und nordischen Sportstätten, eingemietet. Ebenfalls in den Bergen und nur wenige Gehminuten entfernt befindet sich das Deutsche Haus.

Österreich-Haus in den Bergen um 2,3 Millionen


Dass man sich mit der Entscheidung über das Sotschi-Organisationskomitee hinweggesetzt hat, befindet ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel nicht weiter tragisch: "Wir wollten nicht in Sotschi sein, sondern dort, wo wir die Medaillen gewinnen - hoffentlich", sagte er. Als weiteres Argument für das neue Quartier führte er den zentralen Standort und die damit verbundenen Möglichkeiten für die Österreich-Werbung ins Treffen.

Folglich soll in den kommenden Wochen mitten in Krasnaja Poljana ein "Austria Tirol House", aus dem auch der ORF 400 Stunden live berichten wird, aus dem Boden gestampft werden. Die Kosten für die Holz-Stahl-Konstruktion bezifferte Mennel wiederum mit bis zu 2,3 Millionen Euro. "Es werden aber keinerlei Sportmittel verwendet", ergänzte er und führte die hohe Summe auf die "riesigen Transportkosten und die Zeltmiete" zurück. Geht es nach dem ÖOC, sollen durch entsprechende öffentliche Angebote, unter anderem österreichische Küche oder eine Apres Ski Bar, rund 40.000 Besucher ins Österreich-Haus gelockt und damit wiederum Einkünfte erzielt werden.

Bisher gut an den Winterspielen verdient haben auch Österreichs Wirtschafts- und Baukonzerne. Wie Siegfried Wolf am Donnerstag in Sotschi sagte, habe man gute Geschäfte gemacht - so zum Beispiel der österreichische Baukonzern Strabag, der etwa das Olympiadorf in Sotschi errichtet hat. Nach den Spielen wird das Areal zum Formel-1-Park für den geplanten Grand Prix von Russland 2014 umgebaut.