Krasnaja Poljana. (man) Wladimir Putin war auch schon da. Am Sonntagabend schaute der russische Präsident, die treibende Kraft hinter den Spielen am Kaukasus, im Austria Tirol Haus und damit in der Außenstelle für alles Österreichische bei diesen Spielen vorbei. Schnitzel, Schnapserl und einige Takte Volksmusik inklusive.

Empfangen wurde Putin von ÖOC-Präsident Karl Stoss, der österreichischen Botschafterin in Russland, Margot Klestil-Löffler, dem Manager Siegfried Wolf und Karl Schranz. Letzterer hatte wohl auch entscheidenden Einfluss auf den Kurzbesuch, schließlich verbindet Putin und Schranz eine Freundschaft. Damit ist das Österreich-Haus für jene, die es betreiben, schon nach wenigen Tagen Olympia ein voller Erfolg. Das Haus soll ein "Schnittpunkt zwischen Sport, Wirtschaft, Politik und Medien" und "ein Stück Heimat" sein, wie es auf der Homepage heißt. Mehr Schnittpunkt als Putin geht bei diesen Spielen gar nicht. Für Politik ist er praktisch alleinzuständig, für das Geschäftliche hat er im Vorfeld der Spiele ebenfalls gesorgt, beim Sportlichen gibt er sich als Edelfan, und Medium kommt ohnehin keines an Putin vorbei.

Wer einen solchen Gast hat, braucht keine Werbung mehr. Die "Süddeutsche Zeitung" beschreibt den Zweck des vom ÖOC gemeinsam mit der Wirtschaftskammer und der Tirol Werbung betriebenen Hauses etwas anders: "Das Deutsche Haus ist ein Haus der Repräsentation, die Deutschen denken oft über ihre Außenwirkung nach. Die Österreicher sind in ihrem Haus ungeniert Österreicher."

Finanzierungsstreit in Tirol

Schon seit 1984 betreibt das ÖOC in Kooperation mit der Wirtschaftskammer ein solches Haus, seit den Sommerspielen in London 2012 ist auch die Tirol Werbung mit im Boot. Seither wird der Verkaufsaspekt noch stärker betont. Österreich will als Tourismus-Marke präsentiert werden. Der ORF hat seit Jahren im Haus sein Olympia-Studio. Die Kosten für den alpenländischen Event-Bau, der nach den Spielen in Sotschi wieder abgebaut und nach Österreich transportiert wird, sind explodiert. Fand das ÖOC für die Spiele 2008 in Peking noch mit 400.000 Euro das Auslangen, kostete das Österreich-Haus 2010 in Vancouver bereits 1,3 Millionen Euro. Das Domizil bei den Sommerspielen in London kostete eine gute Million Euro. Sotschi spielt finanziell auch, was das Österreich-Haus betrifft, in einer eigenen Liga. Für das aktuelle Haus sind 2,3 Millionen Euro budgetiert.

Dafür werden "keinerlei Sportmittel" verwendet, wie ÖOC-Präsident Stoss stolz verkündet. Die Feststellung auf der Homepage des Österreich-Hauses, dass es "fast zur Gänze aus privaten Mitteln finanziert" werde, ist dennoch einigermaßen verwegen. Der Anteil der Tirol Werbung, die sich praktisch zur Gänze aus Mitteln des Landes Tirol finanziert, soll eine Million Euro betragen. Auch der Beitrag der Wirtschaftskammer kommt aus Kammerbeiträgen, also auch nicht wirklich privaten Mitteln.

Für die Zukunft sieht es mit der Bereitstellung von üppigen Mitteln ohnehin nicht mehr so rosig aus. Im Vorfeld von Sotschi gab es innerhalb Tirols Streitigkeiten über die Finanzierung. Die Stadt Innsbruck wollte nicht wie andere Tourismusregionen einen Beitrag zum Budget liefern und verweigerte einen Beitrag von 25.000 Euro. "Ich habe die Schnauze voll", polterte Landeshauptmann Günther Platter damals. Das Tiroler Engagement bei Großereignissen - eine "sehr teure Aktion" - sei bald Geschichte, sagte er.

Die Verantwortlichen der Tirol Werbung begründen das zweimalige Engagement mit strategischen Überlegungen. Der Sotschi-Auftritt habe seine Legitimation daher, dass Tirol in den Alpen die beliebteste Destination von russischen Gästen sei. Für die Sommerspiele in Rio de Janeiro 2016 und Winterspiele in Pyeongchang 2018 wird sich das ÖOC wohl andere Partner suchen müssen. Zumal über prominente brasilianische und koreanische Freunde Karl Schranz’ auch nichts bekannt ist.