Paris. Rafael Nadal marschiert weiter scheinbar unaufhaltsam auf seinen neunten Titel bei den French Open zu. Doch am Freitag, auf der vorletzten Station zu diesem Ziel, wird der 28-jährige Spanier wohl seiner bisher größten Herausforderung gegenüberstehen. Wie schon vor drei Jahren trifft Nadal auf den Briten Andy Murray.

Der Schotte hat mit dem Fünfsatz-Sieg über den letzten Franzosen im Bewerb, Gaël Monfils, sein insgesamt 14. Major-Halbfinale erreicht und ist damit in dieser Statistik der erfolgreichste Brite aller Zeiten. Murray zeigte sich davon eher unbeeindruckt. "Das ist es nicht, wofür ich hierhergekommen bin. Ich erwarte viel von mir selbst", erklärte Murray, der gegen Monfils bei einbrechender Dunkelheit und abflauender Form des Franzosen den fünften Satz mit 6:0 gewonnen hatte.

In der dritten Runde hatte Murray gegen den Deutschen Philipp Kohlschreiber ebenfalls über fünf Sets gehen müssen, sich aber erst mit 12:10 durchgesetzt. Während Murray in seinen bisher fünf Matches in Roland Garros 2014 fünf Sätze abgab, musste Nadal am Donnerstag gegen seinen Landsmann David Ferrer erstmals richtig Zähne zeigen. Nach einem verlorenen ersten Satz steigerte sich Nadal immens und gab in den Sätzen drei und vier gar nur noch ein Game ab.

Djokovic Favorit gegen Gulbis

Gegen Murray hat Nadal eine 14:5-Bilanz, und keine der fünf Niederlagen gegen den ein Jahr jüngeren Briten kam auf Sand zustande. Vor drei Jahren hatte Nadal bei den French Open im Semifinale 6:4, 7:5, 6:4 gewonnen, zudem hat Murray keinen seiner 28 Turniertitel auf dem Lieblingsbelag seines Semifinalgegners gewonnen. Dennoch glaubt Nadal, diesmal noch mehr gefordert zu werden. "Ich bin nicht überrascht, dass Andy hier im Semifinale steht. Er ist ein Kandidat, Roland Garros zu gewinnen, und das war auch schon vor Turnierbeginn so", meinte er. Im zweiten Halbfinale will der Weltranglisten-Zweite Novak Djokovic den vorletzten Schritt zum ersehnten ersten French-Open-Titel machen. Der 27-jährige Serbe trifft auf den Überraschungs-Halbfinalisten Ernests Gulbis. In bisher fünf Begegnungen hat Gulbis einmal gewonnen. Allerdings liegt die bisher letzte Begegnung der beiden mehr als drei Jahre zurück, Gulbis hat sich seither enorm gesteigert und in Paris Roger Federer und Tomas Berdych ausgeschaltet.

Es sind zwei alte Bekannte, die aufeinandertreffen. Djokovic und Gulbis kennen sich als Jugendliche von der Akademie von Niki Pilic in München sehr gut, sind aber verschiedene Wege gegangen. Während Gulbis gerade einmal sechs Titel im Einzel auf ATP-Ebene gewonnen hat, könnte Djokovic mit einem Erfolg in Roland Garros in den illustren Kreis jener bisher sieben Spieler eintreten, die alle Grand-Slam-Turniere gewonnen haben.