London. Lilly Becker möchte man nicht sein. Nein, gar nicht einmal so sehr wegen ihres Mannes, des ehemaligen Tennis-Champions Boris, der es nach seiner Karriere als seine Berufung verstanden hat, öffentlich Beckerrollen von einem Fettnäpfchen ins nächste hinzulegen. Doch man möchte nicht sie sein, denn die Frau ist ziemlich im Stress. Ihre Vollzeitbeschäftigung ist es gerade, ihren fußballspielenden niederländischen Landsleuten die Daumen bei der WM zu halten, dazwischen gibt’s Interviews, Galaauftritte und auch noch ein bisschen Tennis, weil Ehemann Boris eben nicht nur Ex-Spieler und Medienfigur, sondern auch noch Trainer von Novak Đoković ist und der wiederum an diesem Sonntagnachmittag im Wimbledon-Finale stand. Zum Glück hatte die WM da ihren spielfreien Tag, also ging sich für Frau Becker auch noch ein Radiointerview dazwischen aus. In diesem mokierte sie sich über die im vergangenen Jahr erschienene Boris-Becker-Autobiographie "Das Leben ist kein Spiel", in dem die Damenwelt insgesamt nicht besonders gut wegkam - wie übrigens auch das Buch selbst bei den Rezensenten. "Unnötig" sei es gewesen, dieses Elaborat zu schreiben, erklärte Frau Becker im Ö3 resolut, doch am Abend hatte man sich dann wieder ganz lieb. Da nämlich gewann Đoković besagtes Finale gegen Roger Federer mit 6:7, 6:4, 7:6, 5:7, 6:4; die Fotos des Serben mit Pokal sowie mit Becker und Anhang füllen inzwischen den Twitter-Account Lillys, sodass man glauben könnte, es sei die Familie Becker höchstselbst auf dem Platz gestanden.

Das stimmt natürlich nicht - und irgendwie doch. Denn der Erfolg des 27-jährigen Serben war auch einer des Teams dahinter. Im Winter hatte Đoković Becker verpflichtet und dabei viel, nobel ausgedrückt, Skepsis geerntet. Rückenwind gab den Zweiflern die Sieglosigkeit bei Grand-Slam-Turnieren. Seit Melbourne 2013 hat er keinen Titel auf höchster Ebene mehr errungen, stattdessen gerade dann, wenn es wirklich zählte, geschwächelt.

"Großartige Kombination"

Seit damals hat er die Finale in Wimbledon 2013, bei den US Open im selben Jahr sowie heuer bei den French Open verloren; und viele glaubten schon jetzt, dass Becker daran gescheitert sei, seinem Schützling eben diese Nervenstärke einzuimpfen, die ihn selbst in seiner Karriere ausgezeichnet hatte. Doch sie war es nun, die Đoković - neben seiner Variabilität und Beweglichkeit auf Rasen sowie seiner Qualität und Konstanz bei den Aufschlägen - seinen zweiten Wimbledon-Titel nach 2011 sowie seinen siebenten Grand-Slam-Sieg insgesamt gebracht hat. Vor allem nach dem verlorenen vierten Satz, in dem Federer schon mit 2:5 zurücklag und einen Matchball abwehren musste, schien dieser psychologisch im Vorteil, doch Đoković schlug zurück.