Bremen/Nyon. (art) Die Botschaft kam ein bisschen verklausuliert daher, aber sie kam - und, vor allem, sie kam an: Via Aussendung mit dem schönen Titel "Werder packt Zukunftsthemen gemeinsam an" informierte der deutsche Bundesligist am Montagabend von einem Treffen der Führungsgremien. Diese hatten sich versammelt, um die in den vergangenen Tagen an der Weser hochgehenden Wogen in einem Richtungsstreit zu glätten - mit dem Ergebnis, dass Willi Lemke, in den Achtziger- und Neunzigerjahren als Manager gemeinsam mit Trainer Otto Rehhagel Vaterfigur einer Generation, die mehrfach als golden beschrieben worden war, nach Ablauf dieser Periode im Jahr 2016 nicht mehr für den Posten des Aufsichtsratspräsidenten kandidieren, den er seit 2005 bekleidet. "Ich werde die verbleibende Zeit meiner Amtsperiode nutzen, um aktiv den Prozess einzuleiten, eine verantwortungsvolle Nachfolgeregelung für mich als Aufsichtsratsvorsitzenden zu finden", wird er zitiert.

Das Ende auf Raten hatte sich abgezeichnet: Erst vor wenigen Tagen hatte Klub-Präsident Klaus-Dieter Fischer, der den Verein übrigens nach der Saison ebenfalls verlassen wird, mit der Ankündigung, zum Schuldenmachen bereit zu sein, um die sportliche Kehrtwende beim Letzten der deutschen Bundesliga einzuleiten, für Schlagzeilen gesorgt. Da das Eigenkapital Ende dieser Saison aufgebraucht sein werde, müsse man auch auf diese Maßnahme zurückgreifen, hatte er erklärt. "Wir müssen abwägen, was für den Klub teurer ist: der Abstieg oder ein überschaubares Risiko." Zudem wolle man sich Investoren nicht mehr verschließen. Potenzielle Interessenten hatten allerdings gerüchteweise den Rückzug Lemkes verlangt.

Der 68-Jährige, der im Sommer noch ein Veto gegen teure Transfers eingelegt hatte, fühlte sich überrumpelt, er sei "völlig überrascht" von dem Vorstoß und "fände es sehr bedenklich", sollten mögliche Investitionen "an personelle Forderungen geknüpft" sein, erklärte er. Nun hat sich die finanzielle Situation zwar etwas entspannt, da die Hanseaten den Vertrag mit dem Vermarkter Infront langfristig bis ins Jahr 2029 verlängert haben. Doch Günter Netzer, als sogenannter Executive Director das Gesicht des Unternehmens, würde gerne Ex-Spieler Marco Bode an der Spitze des Kontrollgremiums sehen. Von dort zieht sich Ex-SPD-Politiker Lemke, der außerdem eine Funktion als Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport inne hat, nun schrittweise zurück. Bis dahin wolle man gemeinsam "weiter nach kreativen Lösungen" für die Zukunft suchen, erklärte Geschäftsführer Klaus Filbry.