Altenmarkt. Die Maschinen arbeiten auf Hochtouren, Innentemperatur und Lärmpegel sind erträglich, es riecht nach Klebstoff und Lack. In einer Ecke der riesigen Produktionshalle presst ein Atomic-Mitarbeiter im Akkord bis zu 25 dünne Materialschichten aufeinander. Flink fliegen die Hände über die Werkbank, konzentriert prüfen seine Augen, ob die feinen Blättchen aus Aluminium, Holzkern, Stahl, Carbon, Laminat und Polyäthylen korrekt gereiht und nicht schadhaft sind. Wenige Meter entfernt sind zwei Arbeiterinnen damit beschäftigt, die gepressten Schichten zu einer Einheit, einem Ski, zusammenzukleben. Viel zum Tratschen kommen hier die rund 900 Beschäftigten nicht, jeder Griff muss sitzen, wer abgelenkt wird, läuft Gefahr, einen Fehler zu machen. Der erste Eindruck bestätigt: Was hier geschaffen wird, ist Handarbeit.

Manuelle Skiproduktion? Gibt es das noch? Als Atomic-Famulus Thomas Eckert die verblüfften Gesichter der Werksbesucher sieht, muss er schmunzeln. "Skibau ist immer noch auch ein Handwerk, da sind viele überrascht", erklärt er, als er durch die lichtdurchflutete Halle führt. Nicht weniger als 450.000 Skipaare, davon 100.000 Lauflaufskier, stellt die finnische Amer-Gruppe im österreichischen Hauptwerk in Altenmarkt her - und zwar für die Marken Atomic und Salomon. Nun ist nicht jedes Skipaar, das Altenmarkt verlässt, ein Handwerksprodukt. So gibt es neben dem teuren, manuell gefertigten Sandwich-Ski auch eine Billig-Variante, PU-Ski genannt, die maschinell verarbeitet ist. "Diese Skier haben nur drei bis vier Materialschichten und können daher viel schneller produziert werden", sagt Eckert und verweist auf ein dröhnendes Ungetüm aus Stahl in der Hallenmitte. Sichtbar wird der erhebliche Unterschied beim Arbeitsaufwand. Während ein Mitarbeiter pro Stunde lediglich vier Sandwich-Skier verarbeiten kann, schafft die Maschine in der selben Zeit 25 PUs. Trotz des Preisunterschiedes von mehreren hundert Euro ist die Nachfrage für handgearbeitetes Wintersportgerät nach wie vor da. Für die Skibauer in Altenmarkt ist das nur gut so, ist doch dieser Beruf in diesen Tagen eher selten geworden. Drei Lehrlinge bildet Amer jedes Jahr an seinem österreichischen Standort aus. Hier lernen sie, wie aus einem Bündel Rohstoffen in einem 14-tägigen Prozess ein Paar Skier hergestellt werden.

Konkursfall und Untersuchungsausschuss


In der Zwischenzeit hat Eckert die Besuchergruppe durch die Presserei in der Grafikabteilung geführt, wo die fertigen Skier mit farbigen Folien und Schriftzügen versehen werden. Gekonnt klebt die Mitarbeiterin die vorgedruckten Logos - geordnet nach Marke, Modell und Produktionsschiene - auf die Bretter. Die Frage, ob Kunden eines Tages ihre Skier auch individuell bedrucken lassen werden können, beantwortet der Atomic-Mann mit einem leisen Jein. "So weit sind wir noch nicht", erklärt er. Möglich sei es wohl, aber noch dementsprechend kostspielig. Eine Ausnahme bilden freilich Skirennläufer und Atomic-Partner wie Mikaela Shiffrin oder Marcel Hirscher. Ihr Gerät wird nicht nur in Absprache mit deren Betreuerteams aus hochwertigem Material maßgeschneidert, sondern auch auf Wunsch der Athleten mit persönlichen Mustern bedruckt. "Der Hirscher hat seinen eigenen Ski", erklärt Eckert. Kostenpunkt? Einige tausend Euro.