Rio de Janeiro. Die Gruppe der versammelten Wutbürger ist überschaubar: Die Organisation "Golf für wen?" ist nach eigenen Angaben noch in der Findungsphase. Rund 30 Demonstranten versammelten sich vor ein paar Tagen in Barra da Tijuca unweit des Olympia-Parks in Rio de Janeiro, um ihrem Ärger Luft zu machen. Das Ziel ihres Protestes: die beindruckende Anlage, die Rio de Janeiro für das olympische Golfturnier aus dem Boden stampfen wird. Die Stimmung ist ausgelassen, die Plakate reichen von Botschaften wie "Umarmungen gratis" bis "Schluss mit diesem Umweltverbrechen". Mit den bisweilen aus dem Ufer geratenen Protesten im Vorfeld der Fußball-WM ist dieses kleine Protesthappening noch nicht zu vergleichen.

Trotz der verhältnismäßig kleinen Protestveranstaltung auf der Avenida das Américas sind die Olympia-Macher alarmiert. Sicherheitskräfte verfolgen aufmerksam, wie sich die Stimmung entwickelt. Doch es geht friedlich und gelassen zu. In den sozialen Netzwerken ist die Gruppe dagegen schon deutlich gewachsen: Mehr als 3000 Nutzer unterstützen den Kampf der Protestgruppe gegen das Vorhaben olympisches Golf. Bisher war Golf nur 1900 und 1904 im olympischen Programm. Bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016 kehrt Golf wieder zurück auf die Bühne. Und der Platzbedarf für den als elitär verschrienen Sport ist groß.

Ebenso groß ist das Potenzial, das in dem sich abzeichnenden Protest steckt. Ausgerechnet in Rio, in einer Stadt mit Armenvierteln und Infrastrukturproblemen, dem Oberschichtensport Golf wieder olympisches Leben einzuhauchen, ist ein nicht zu unterschätzendes gesellschaftspolitisches Risiko. Die Argumentation der Demonstranten richtet sich vor allem gegen die Umweltzerstörung, die der Bau mit sich bringen soll. Luftaufnahmen von einer abgeholzten rotbraunen Landschaft von dem Areal, wo einmal das mit viel Wasser saftig gehaltene Grün die Golfmillionäre der PGA willkommen heißen werden, sollen die Menschen wachrütteln.

Klimaschutzziele torpediert


Zielscheibe der Kritik ist vor allem Rios Bürgermeister Eduardo Paes, seit kurzem auch Vorsitzender der "C40 Cities Climate Leadership Group". Diese Gruppe ist nach eigener Definition "ein Netzwerk engagierter Großstädte, die mit bedeutsamen nachhaltigen Klimaschutzinitiativen auf lokaler Ebene zur globalen Bekämpfung des Klimawandels beitragen". So sehen es zumindest deren Partner aus der Wirtschaft wie der deutsche Konzern Siemens. Die Aktivisten kommen zu einer anderen Einschätzung. Sie werfen Paes vor, eben genau diese Klimaschutzziele zu torpedieren. Mit dem Bau des Golfplatzes werden Flora und Fauna vertrieben. Mit einer Liste von Tierarten, die künftig keinen Platz mehr dort haben werden, wo Tiger Woods und Co. abschlagen werden, wedeln sie den überraschten Autofahrern vor der Windschutzscheibe herum.

Obendrein sei ein Golfplatz vor allem wegen seines enormen Bedarfes an Wasser alles andere als umweltfreundlich, sagt zum Beispiel der Umweltbiologe Marcelo Mello. Der Sprecher der Demonstrationsgruppe wirft den Stadtpolitikern schwere Versäumnisse bei der Planung vor. Unter anderem sei es unterlassen worden, eine Umweltverträglichkeitsstudie durchzuführen, behauptet Mello.

US-Firma bekam Zuschlag


Andere Demonstranten glauben den Versprechungen nicht, dass der Golfplatz nach den Spielen für die allgemeine Bevölkerung zugänglich sein wird. Stattdessen behaupten sie, das Areal sei nur für die Bewohner einer Luxusappartmentanlage in der Nähe vorgesehen. Sie verweisen auf vorliegende Dokumente, die das nahelegen. Ihre von den Sicherheitskräften müde belächelte Forderung: sofortiger Baustopp.

Gebaut wird der Golfplatz von der US-Firma Hanse Golf Course Design aus Pennsylvania. Zu ihrem erlesenen Kundenkreis gehört auch der in Brasilien unbeliebte US-Milliardär Donald Trump, der mit der Firma gerade Dubai mit einem neuen Golfplatz beglücken will. Dass ausgerechnet "Gringos" den Platz bauen, die im Dienst von Superreichen stehen, gehört zu einer atmosphärischen Gesamtproblematik, die dem lokalen Organisationskomitee, aber auch der Stadt Rio de Janeiro durchaus bewusst ist. "Dieser Golfplatz wird ein neues Kapitel in der Geschichte dieses Sports repräsentieren", sagte Rios Organisations-Chef Carlos Arthur Nuzman im März 2012 bei der Bekanntgabe der Auftragsgabe an die Hanse-Gruppe und versprach, die Golfanlage werde unter Umweltschutzaspekten ein Beispiel an Nachhaltigkeit und Erhaltung abgeben. Ansonsten halten sich Organisationskomitee und Stadt mit Presseinformationen zu diesem sensiblen Thema auffallend zurück. Auf allzu viel Öffentlichkeit sind die Olympia-Planer offenbar nicht erpicht.