Doha. (art/apa) Der 21. August hat irgendwie alles verändert. Lisa Zaiser wurde vom Talent zur Medaillengewinnerin und ist nun Österreichs größte Hoffnungsträgerin für die am Mittwoch beginnende Kurzbahn-WM in Doha. Ein weiteres Stück Edelmetall wie damals EM-Bronze in Berlin wäre zwar für die 20-Jährige eine echte Sensation, ein Finaleinzug aber alles andere als unrealistisch. Und dass in einem Finale nichts mehr unmöglich ist, hat sie im Sommer eindrucksvoll vorgeführt, als sie alle, inklusive sich selbst, überrascht hat: "Ich hätte vor der EM gedacht, dass das nur möglich ist, wenn sich zwei den Haxen brechen und eine disqualifiziert wird", sagte sie nach ihrem bisher größten Coup. Demnach sei ihr selbst zunächst gar nicht bewusst gewesen, was sie erreicht hatte. "Ich habe auf die Anzeigentafel geschaut und meinen Namen bei Platz fünf oder sechs gesucht." Doch dann habe sie die Teamkollegen auf der Tribüne jubeln und ihren eigenen Namen an der dritten Stelle gesehen - und "mehr gejubelt als die Siegerin".

Nicht einmal ein halbes Jahr ist seitdem vergangen und Zaisers Form stetig angestiegen. Guten Platzierungen bei Weltcup-Meetings folgten zuletzt mehrere persönliche und nationale Bestzeiten bei den Staatsmeisterschaften im November, der Generalprobe für die Weltmeisterschaften.

Chancen auch in der Staffel

Leistungssprünge hat Zaiser schon in der Jugend öfter gehabt, mit Ende der schulischen Belastung ist sie von ihrer Heimat Kärnten nach Linz zur Trainingsgruppe von Marco Wolf umgesiedelt - ein weiteres Puzzlestück für ihren nunmehrigen Erfolg, der aber erst der Anfang sein soll. In Doha ist ein Finaleinzug über eine Lagenstrecke das Ziel, auch in der 4-mal-200-Meter-Kraulstaffel der Damen sieht Peter Rothbauer, der für den sportlichen Bereich zuständige Verbands-Vizepräsident, durchaus Chancen darauf.

Jukic fehlt, aber Basis geschaffen

Für die anderen heimischen Teilnehmer - insgesamt entsendet der Verband neun Athleten - geht es einerseits um Semifinale, andererseits darum, Erfahrung auf dem Weg zur Langbahn-WM 2015 in Kasan und in weiterer Folge für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu sammeln. Daher hat man sich bewusst entschieden, die Limits für die Jüngeren wie Claudia Hufnagl, Lena Kreundl, Felix Auböck und Sebastian Steffan zu erleichtern.

Die Augen werden aber wohl hauptsächlich auf Zaiser gerichtet sein, zumal ein prominenter österreichischer Name auf der Teilnehmerliste fehlt: Dinko Jukic, der das Limit ebenfalls erbracht hat, verzichtet auf eine Reise nach Doha - allerdings laut eigenen Aussagen und jenen des Verbandes nicht etwa aufgrund eines Streits, sondern aus sportlichen Gründen. Ein Gespräch im Rahmen der Staatsmeisterschaften, bei denen der Olympia-Vierte den Verband scharf kritisiert hatte, habe laut beiden Parteien eine gemeinsame Basis für die Zukunft gebracht. "Wir haben ganz klar gemacht, dass wir Dinko fördern wollen und ihm keine Steine in den Weg legen", sagte Präsident Stefan Miklauz am Rande der Titelkämpfe zur Austria Presse Agentur. Jukic bestätigte das konstruktive Gespräch: "Die Basis für 2015 ist da, das freut mich. Jetzt war aber die Zeit zu kurz, um alle Voraussetzungen für Doha zu schaffen."