Liverpool. Den roten Teppich haben sie ihm nicht ausgerollt, das macht sich nicht besonders gut auf einer Pferderennbahn. Und doch kann sich Anthony Peter McCoy der Ehrungen nicht erwehren, wenn er dieser Tage beim Grand National Festival auf der Anlage von Aintree bei Liverpool antritt. Wo immer er auftaucht, hagelt es Beglückwünschungen, zahlreiche Poster mit seinem Konterfei wurden angebracht, auf einer eigens aufgestellten Wand können Fans dem Nordiren Tribut zollen. Sowieso schon gilt das Grand National neben dem Royal Ascot und dem Chelterham Festival als eines der bedeutendsten Ereignisse im britischen (und damit weltweiten) Pferdesport-Rennkalender, mit 150.000 Zuschauern an den drei Tagen auf dem Gelände, Einschaltquoten von bis zu 70 Prozent in England und einem angeblichen weltweiten TV-Publikum von 600 Millionen in 140 Ländern. Doch diesmal ist es noch einmal um eine Spur mehr besonders. Denn am Samstag werden die Besucher den erfolgreichsten Jockey im Hindernis-Rennsport das letzte Mal live beim Hauptrennen, dem Grand National, im Sattel sitzen sehen.

Als Anthony Peter McCoy, in der Szene nur bekannt als AP oder Tony McCoy, vor einiger Zeit angekündigt hatte, dass er seine Karriere in dieser Saison beenden werde, war das gleichzeitig die Ankündigung des Endes einer Ära. Kein anderer Jockey hat im Hindernis-Rennsport so viel gewonnen wie er. Mehr als 4350 Einzelsiege sind es bisher, darunter Titel bei allen bedeutenden Rennen, diesen Monat wird er die Saison zum 20. Mal hintereinander als "Champion Jockey" beenden. Zum Vergleich: Die längste bis dahin anhaltende Siegesserie hielt Peter Scudamore mit sieben aufeinanderfolgenden Championaten.

Dabei tritt McCoy, der beim Stall des britischen Millionärs Peter J.P. Manus unter Vertrag steht, gar nicht um jeden Preis bei allen Rennen an: Die Termine des glühenden Arsenal-Fans wollen schließlich mit jenen des Londoner Fußballklubs abgestimmt werden. Und auch die Karriere des 40-Jährigen war so eigentlich nicht geplant, schließlich hat er als Flachjockey - also bei Galopprennen ohne Hindernissen - begonnen, musste aber aufgrund seiner Größe von 1,78 Meter in eine Sparte umsatteln, bei der das Gewicht der Jockeys höher sein kann - wobei er mit 63,5 Kilogramm jetzt auch noch nicht gerade als adipös zu bezeichnen ist. Doch der Wechsel erwies sich als Goldgriff: In seiner ersten Saison 1994 wurde er zum besten Nachwuchsreiter gekürt, schon das Jahr darauf begann seine unheimliche Erfolgsserie, die nicht nur aufgrund der Unberechenbarkeit des Sports im Allgemeinen, sondern auch ob des hohen Verletzungsrisikos für Pferd und Reiter im Speziellen bemerkenswert ist.