Shanghai. Bestens gelaunt blickt Malaysia-Triumphator Sebastian Vettel dem Grand Prix von China am Sonntag (8 Uhr MESZ) entgegen. Seine Zielstrebigkeit sollen die Mercedes-Rivalen erneut zu spüren bekommen. Der Deutsche will das Weltmeisterteam nach seinem Premierensieg für Ferrari auch im Reich der Mitte wieder ärgern. "Wir wollen uns idealerweise die gesamte Saison als das Team hinter Mercedes etablieren. Wenn wir das schaffen, wollen wir die Lücke zu Mercedes schließen", sagte Vettel am Donnerstag im Vorfeld des dritten WM-Laufs der Saison. Gleichzeitig will sich der 27-Jährige von seinem Sieg in Malaysia vor zwei knapp Wochen aber nicht blenden lassen. "Am Anfang einer Saison kann es rauf- und runtergehen. Wir wollen sicherstellen, dass wir ziemlich viele Hochs und nicht so viele Tiefs haben", meinte der Deutsche. "Es ist schön, dass Euphorie herrscht. Für die nächsten Rennen muss man aber auf die Euphoriebremse treten. Man darf nicht übermütig werden. Wir sind realistisch darüber, wo wir stehen." Zwei Siege hat Vettels Teamchef Maurizio Arrivabene als Ziel für diese Saison ausgegeben. Vettel hätte große Lust, dieses Soll schon am Sonntag zu erfüllen. Letztmals gelangen der Scuderia im Herbst 2010 in Italien und Singapur zwei Erfolge in Serie - eingefahren von Fernando Alonso.

2007 als Formel-1-Neuling in China als Vierter erstmals in die Punkte für Toro Rosso, 2009 der erste Sieg für Red Bull - weitere Glanzlichter Vettels sollen nach dem Willen von Weltmeister Lewis Hamilton und Nico Rosberg aber nicht dazukommen. Der Brite begrüßte ausdrücklich den gesteigerten Wettbewerb durch die Scuderia. Für den 30-Jährigen steht nach seinem zweiten Platz in Malaysia jedoch für den Grand Prix in der asiatischen Metropole fest: "Wir werden besser sein."

Vettel-Sieg als "Problem"


Auch sein deutscher Teamkollege Rosberg versicherte: "Die Strecke wird uns besser liegen. Ich bin mir sicher, wir werden das Rennen unter uns ausmachen." Tatsächlich verfolgt der Vizeweltmeister das wiedererstarkte Ferrari-Team mit gemischten Gefühlen. "Vettel kann eine Hilfe sein", räumte Rosberg mit Blick darauf ein, dass Vettel seinem Mercedes-Kollegen wichtige Punkte abnehmen könne. In Malaysia sei Vettel als Sieger jedoch "mehr als eine Gefahr" gewesen. "Das geht dann voll nach hinten los", sagte der Sepang-Dritte. Die Perspektive könne sich daher umgehend wandeln: "Sollte er weiter siegen, wird das zu einem Problem."

Vettel fühlt sich in dieser Rolle wohl. Dass er am Sonntag mit Brasiliens Legende Ayrton Senna nach Siegen gleichziehen könnte, war ihm angeblich gar nicht bewusst. "Ich kenne Michaels Zahl, die ist aber irre", sagte Vettel mit Blick auf Michael Schumachers beeindruckende 91 Siege.

Hamilton und Rosberg beteuerten, dass sie vom Auftritt der Scuderia weder beunruhigt noch verunsichert seien. Sie wissen, warum. Vettel auch. "Der Rückstand ist nach wie vor da", erklärte der ehemalige Serien-Weltmeister. "Wir müssen aufholen." Noch größeren Aufholbedarf hat Red Bull Racing, nachdem es zuletzt in Sepang nur für die Ränge neun und zehn hinter dem Schwester-Team von Toro Rosso gereicht hatte. "Wir wollen einen großen Schritt vorwärts machen", kündigte der Russe Daniil Kwjat an. Man darf also gespannt sein.