Wien. (art) Seinen britischen Humor hat Red-Bull-Teamchef Christian Horner nicht verloren. Nachdem das Renault-Triebwerk im Boliden von Daniel Ricciardo beim Grand Prix von Bahrain am Sonntag just während der Zieldurchfahrt explodiert war, quittierte das der Engländer mit einem nüchternen: "Sein Motor wollte anscheinend bei der Feuerwerks-Party am Ende dabei sein." Auf der Strecke hatte es das früher so erfolgsverwöhnte Team in dieser Saison noch nicht ganz so lustig; die Plätze sechs durch Ricciardo und neun durch Daniil Kwjat in Sakhir waren das bisher Höchste der Gefühle.

Dazu kommen die anhaltenden Probleme mit dem Motorenlieferanten Renault, die Sportchef Helmut Marko schon nach dem Auftaktrennen mit einem möglichen Ausstieg spekulieren ließen. Beim nächsten Rennen in Barcelona muss Ricciardo schon auf seinen vierten Motor zurückgreifen - mehr ist in einer Saison nicht straflos möglich. Doch Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht - und PR, wenn’s trotzdem kracht. Und in Sachen Marketing macht Red Bull niemand so schnell etwas vor. So ist auch das Showevent am Mittwoch in Wien in erster Linie als Werbeauftritt zu verstehen.

Gelungenes Comeback


Den Fans wird’s egal sein, geboten wird ab 13 Uhr ein buntes Programm, dessen Höhepunkte die Ausfahrt von Ricciardo im Weltmeisterauto von 2012 (15 Uhr) sowie die anschließende Autogrammstunde vom aktuellen Toppiloten Red Bulls, Mercedes-Aufsichtsratchef Niki Lauda, Gerhard Berger und Marko sein werden. Dazwischen und danach gibt es Stunt-Vorführungen, Stationen mit Rennsimulatoren und ein Musikprogramm. Offiziell veranstaltet wird der Tag von der Projekt Spielberg GmbH von Dietrich Mateschitz, er soll die Formel 1 - ganz nach dem Wunsch von Chefvermarkter Bernie Ecclestone - zu den Menschen bringen und den Countdown für den Österreich-Grand-Prix am 21. Juni offiziell einläuten. Dabei hätte der zusätzliche Werbung nach dem gelungenen Comeback im vergangenen Juni gar nicht unbedingt nötig. Offiziell 205.000 Fans haben das erste Formel-1-Rennen auf österreichischem Boden nach elf Jahren am Ring verfolgt, danach waren Besucher, Behörden und Veranstalter gleichermaßen zufrieden, und selbst die Streitigkeiten über die Lustbarkeitsabgabe, für die Red Bull eine Pauschalzahlung herausgeschlagen hatte, und die Beschwerden einer Bürgerinitiative waren zumindest kurzfristig vergessen. Die größte Aufregung hatte noch Andreas Gabalier mit seiner alten Version der Bundeshymne geliefert.

Jubel und leise Bedenken


Gelobt wurde indessen der Modernisierungsschub, den die Region Aichfeld durch zahlreiche Initiativen im Vorfeld erhalten hatte, laut einer (vom Land Steiermark in Auftrag gegebenen) Studie des International Central European Institutes Vienna lag die zusätzliche Wertschöpfung alleine am Rennwochenende bei mehr als 23 Millionen Euro, insgesamt soll sie durch die Rückkehr der Formel 1 56 Millionen Euro ausgemacht haben.

Ganz leise melden sich freilich auch schon Skeptiker zu Wort: Begebe man sich nicht zu sehr in Abhängigkeit von Mateschitz, der sich angesichts seiner tatsächlich beträchtlichen Investitionen als großer Gönner feiern ließ? Und was passiert mit den zahlreichen neu angesiedelten Betrieben, wenn der Millionenzirkus weiterzieht? Zwar ist die Formel 1 vertraglich bis 2020 in Österreich gesichert, zwar hat auch Ecclestone schon einen Treueschwur gegenüber dem Red-Bull-Chef geleistet ("Die Formel 1 bleibt hier, so lange er das will"), doch zu sicher sollte man sich nicht sein. Schon zweimal hat er Österreich in der Vergangenheit schon Rennen entzogen.

Das alles wird freilich am Mittwoch am Rathausplatz eine untergeordnete Rolle spielen. Die Showbühne ist frei für Ricciardo und Co.