Gibt es die Beobachtung, dass es aufgrund der extremen Professionalisierung im Fußball immer schwerer wird, über den Tellerrand zu blicken?
Ja und nein. Auf der einen Seite wird die Trainingsplanung, die Struktur um einen Fußballer immer detaillierter, immer enger. Dementsprechend mangelt es vermehrt an Raum und Zeit. Auf der anderen Seite hat sich der Arbeitsmarkt im Fußball in Österreich in den letzten fünf bis zehn Jahren ganz stark verändert. Schon auf rein existenzieller Ebene besteht mittlerweile eine Notwendigkeit, sich ein zweites Standbein aufzubauen. Da trifft die emotionale, auf den kurzfristigen Erfolg ausgerichtete Fußballkultur auf die Ratio und den Weitblick, den wir fördern wollen.

Welche konkreten Punkte geben Sie den Spielern mit?
Bei den einen geht es stark um Coachingthemen, wo es erst gilt eine Basis auf Persönlichkeitsebene zu legen, bevor man an Karriereplanung denkt. Andere haben schon genauere Vorstellungen, wo es hingehen soll. Hier beraten und begleiten wir die "duale Karriere" des Sportlers. Für alle gilt: Es geht um persönliche Orientierung, konkrete Zielsetzung und eine optimal dosierte Umsetzung der Maßnahmen neben der Sportlaufbahn. Im besten Fall hört die Beratung nicht nach dem Camp auf. 60 Prozent der Spieler, die voriges Jahr hier im Camp der vertragslosen Fußballer waren, haben danach mit Kada weitergearbeitet, was für das erste Jahr rein quantitativ ein sehr großer Erfolg war. Mehrere Spieler befinden sich in unserem Studienprogramm "SLS", das wir speziell für Hochleistungssportler in Österreich aufgebaut haben. Zwei Spieler haben Unternehmen gegründet, ihnen stellen wir Beratung in der Unternehmensgründung zur Verfügung.

Welche Idee steckt hinter dem Studienprogramm "SLS" (Studium Leistung Sport)?
Wir unterstützen unsere Athleten bei der Studienauswahl-, -planung und -umsetzung. Momentan kooperieren wir mit acht der größten Universitäten in Österreich, um die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Diese Kooperationen ermöglichen Flexibilisierungen, um Hochleistungssport und Studium sinnvoll vereinbaren zu können. Das betrifft beispielsweise Anwesenheitspflichten, Abgabetermine von Seminararbeiten oder Prüfungstermine. Österreichweit studieren im Moment 124 Hochleistungssportler von Kada in diesem Studienprogramm.

Wie ist Ihre Beratung personell organisiert?
Wir haben vier angestellte Mitarbeiter in der Österreich-Zentrale in Salzburg, dazu 13 Laufbahnberater im ganzen Land, um die Sportler vor Ort beraten zu können. Unsere Laufbahnberater sind technisch und thematisch spezialisiert. Einige arbeiten im Coaching, andere in der Studienberatung, als Wirtschaftsberater oder eng mit dem AMS verbunden in der Jobvermittlung von Hochleistungssportlern. Je nach persönlicher Situation und Anforderung teilen wir die Sportler unseren Laufbahnberatern bestmöglich zu.

Kada hat auch Kooperationen mit Schulen und Akademien, was kann man sich darunter vorstellen?
In den Schulen plant Kada mit jeder Ausbildungsstätte individuelle Angebote. Konkret sind das aufbauende Workshops über mehrere Schuljahre zu spezifischen Themen aus Leistungssport, Bildung und Beruf. Das Ziel ist, dass die jungen Sportler nach der Schule nahtlos in das Kada-Programm übertreten und kontinuierlich in ihrer dualen Karriere begleitet und gefördert werden. Mittlerweile ist Kada auch eine eigene Ausbildungseinrichtung, wir bieten die "Berufsreifeprüfung im Leistungssport" an. Sportler, die aus Handelsschulen oder dem Lehrbereich kommen, haben die Chance, auf den Sport abgestimmt ihre Berufsreifeprüfung zu machen. Hier werden wir auch von externem Lehrpersonal unterstützt.