St. Andrews. (art) Man kann es einer gewissen Arroganz für die historische und universitäre Bedeutung dieses Städtchens zuschreiben, oder aber auch der Eiphorie für das, was da kommen mag. Wenn man St. Andrews einfach so betrachte, "ist es eine graue Stadt, nicht wirklich attraktiv", sagte Golf-Ikone Jack Nicklaus vor kurzem. Wenn aber die Golfer hierherkommen, "verwandelt es sich in einen der wunderbarsten Plätze der Welt". Und irgendwie hat Nicklaus auch recht: Denn abgesehen davon, dass St. Andrews einst bischöflicher Sitz und eine wichtige mittelalterliche Pilgerstätte war - die Ruinen liegen etwas außerhalb der Stadt und ziehen noch immer Touristen an - sowie eine der berühmtesten Universitäten Großbritanniens beherbergt, ist das etwa 17.000 Einwohner zählende Städtchen in einer Bucht an der schottischen Ostküste vor allem als eines bekannt: als Heimat des Golfsports. Ab Donnerstag finden hier zum 29. Mal und ersten Mal seit 2010 die Open Championship, auch genannt die British Open, statt. Und angesichts des hohen Besuchs der Weltelite, aus der nur der am Knöchel verletzte Weltranglistenerste Rory McIlroy fehlt und inmitten der auch der Österreicher Bernd Wiesberger zum Abschlag geht, ist die gesamte Region in heller Aufregung.

Die Schotten präsentieren sich gerne als Erfinder des Golfsports; und auch wenn die Ursprünge historisch nicht einwandfrei belegt sind, so ist das Spiel hier in St. Andrews zumindest seit 1552 fixer Bestandteil der Geschichte. Aus diesem Jahr stammt ein schriftliches Dokument, das den Bürgern erlaubt, in den Dünen "Hasen aufzuziehen, Golf und Fußball zu spielen und anderen Freizeitaktivitäten nachzugehen". Durchgesetzt hat sich davon - nach jahrhundertelangen Streitigkeiten zwischen Hasenzüchtern und Golfspielern, die als "Rabbit Wars" in die Geschichte St. Andrews’ eingingen, vor allem der Golfsport. Der zieht nicht nur regelmäßig die Stars der Branche an, sondern ist dank Massentourismus auch eine bedeutende Wirtschaftsquelle für die Region geworden - wenngleich die Anmeldelisten lang und die Platzgebühren hoch sind.

Spieth Favorit,
Wiesberger optimistisch

Ein Friseur bietet während der Open Gratis-Whisky, in den Auslagen und vor offiziellen Gebäuden wimmelt es von Golf-Dekorationen: St.Andrews, sonst eine eher graue Stadt, hat sich herausgeputzt. Reuters/E. Keogh, R. Cheyne
Ein Friseur bietet während der Open Gratis-Whisky, in den Auslagen und vor offiziellen Gebäuden wimmelt es von Golf-Dekorationen: St.Andrews, sonst eine eher graue Stadt, hat sich herausgeputzt. Reuters/E. Keogh, R. Cheyne

Obwohl der Platz seit seiner ersten Bespielung im Rahmen der Open 1873 mehrmals umgebaut wurde, prägen neben dem monumentalen Klubhaus des Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews, der noch immer die Regeln des Sports vorgibt und hütet, die Dünen das Layout des Kurses, der als Inbegriff des Links-Golfs gilt, weil er auf einem Verbindungsstück zwischen Meer und fruchtbarem Acker- und Weideland liegt (Vom Englischen "link") - mitsamt den Schwierigkeiten, die dieses windexponierte und landschaftlich raue Küstengebiet für die Golfer mit sich bringt. Immerhin dürfte der Platz diesmal, glaubt man den Berichten der Profis, die in den vergangenen Tagen dort trainiert haben, etwas weicher sein als gewohnt.