Klagenfurt. (may) Der Beachvolleyball-Grand-Slam legt heuer am Wörthersee eine Pause ein - auf das Spektakel in Klagenfurt muss aber weder das Partyvolk noch die Sportwelt verzichten. Denn zum dritten Mal in der Geschichte geht das Beachvolleyball-Event als Titelkampf über die Bühne, nach der WM 2001 und der EM 2013 werden auch heuer wieder im Klagenfurter Sand die Europameister gekürt (von 28. Juli bis 2.August). Und das erhöht für die heimischen Athleten die Chancen enorm, sich vom enthusiastischen Publikum mit Edelmetall um den Hals feiern zu lassen. Insgesamt haben rot-weiß-rote Beach-Duos in den vergangenen zwölf Jahren nicht weniger als ein Mal Bronze, drei Mal Silber und drei Mal Gold bei Europameisterschaften erobert - erst vor zwei Jahren in Klagenfurt spielten sich die Schwaiger-Schwestern in einen wahren Rausch und wurden am Ende mit Gold dekoriert.

Als aussichtsreichste Kandidaten auf einen Stockerlplatz gelten heuer aber die Männer, konkret Clemens Doppler und Alexander Horst. Die EM-Dritten des Vorjahres sind in Klagenfurt nach einer anhaltend starken Saison als Nummer vier gesetzt. Erst am Wochenende spielte die Paarung beim Grand-Slam-Turnier in Yokohama groß auf und schaffte nach einer Halbfinal-Niederlage gegen die brasilianischen Weltmeister Alison/Bruno den respektablen dritten Rang. Kein Zufall, denn das Beach-Duo hat sich mit konstant guten Leistungen in der Weltspitze etabliert.

"Wir haben es geschafft, dass wir zu den zwei, drei konstantesten Teams der Welt gehören. Bei sieben Turnieren waren wir sechsmal in den Top-Ten", betont Doppler. Trotz des Fehlens der auf der World-Tour mitbestimmenden Brasilianer und US-Amerikaner sei die Konkurrenz bei der Heim-EM aber enorm, schließlich komme der Großteil der stärksten Teams aktuell aus Europa, merkte der zweimalige Europameister (2003 und 2007) an.

Außerdem hat Kärnten Doppler bisher noch wenig Glück gebracht. 2006 riss sein Kreuzband am Klagenfurter Center-Court das erste Mal - das zweite Mal just bei der Heim-EM vor zwei Jahren, als er den Titel im Visier hatte. Seit diesem Rückschlag ging es freilich wieder steil bergan: "Verletzungen sind Teil der Laufbahn, das gehört dazu wie Siege und Medaillen. Das muss ich nicht versuchen auszublenden. Mir tut zum Glück nichts mehr weh, es zwickt nirgends. Ich fahre nur mit positiven Gefühlen nach Klagenfurt", meint der 34-Jährige zuversichtlich.

Das Medaillen-Ziel ist daher klar, dennoch wird es vorsichtig artikuliert: "Wenn wir so spielen wie in den letzten Wochen, dann gibt es die Chance, dass wir weit kommen. Wir sind unter den zehn bis zwölf Teams, die um die Medaillen spielen. Natürlich ist das unser großer Wunsch und das Ziel, aber zuerst wollen wir einmal den Gruppenaufstieg schaffen, dann werden die Karten wie immer neu gemischt", so Doppler.

Die Perspektive geht allerdings viel weiter, nämlich Richtung Rio 2016. Und daher wurde - anders als in den vergangenen Jahren - noch das Turnier in Japan gespielt, um wertvolle Punkte für die Weltrangliste zu sammeln. Die Olympia-Qualifikation für die Top-15-Teams der Rangliste - es zählen die besten zwölf Ergebnisse von Jänner 2015 bis Juni 2016 - werde nämlich eine "enge Geschichte": "Aber wir sind echt auf einem guten Weg", schätzt Doppler. Ob sich die Reisestrapazen auf die Leistungen in Klagenfurt auswirken, wird sich erstmals am Mittwoch weisen, wenn um 13Uhr das erste Vorrundenmatch gegen die weißrussischen Vertreter Alexander Kawalenka/Alexander Dsiadku ansteht. Für die anderen drei heimischen Herren-Duos (Tobias Winter/Lorenz Petutschnig, Peter Eglseer/Daniel Müllner sowie Alexander Huber/Robin Seidl) wäre wohl schon ein Aufstieg in die nächste Runde als Erfolg zu werten.

Ähnlich ist die Situation bei den Damen - speziell für Stefanie Schwaiger. Nach dem umjubelten EM-Titel mit ihrer Schwester Doris hat die 28-jährige Waldviertlerin nach einem erfolglosen Intermezzo mit Lisa Chukwuma in Barbara Hansel zwareine vielversprechende Partnerin gefunden, allein an die Erfolge von früher konnte sie noch nicht anschließen. "Das Problem ist, dass wir die Konstanz nicht halten können. Wir haben sensationelle Spiele und auch wieder ganz schlechte", meint Schwaiger, die in Klagenfurt zumindest von einer Medaille träumen will.