Nyon. (art) Es war nur eine Frage des Zeitpunkts, am Mittwoch war es dann so weit: Michel Platini, derzeit Chef des europäischen Fußballverbandes Uefa, gab offiziell seine Kandidatur für die Wahl des Präsidenten des Weltfußballverbandes Fifa bekannt. Der aktuelle Amtsinhaber Joseph Blatter hatte wenige Tage nach seiner umstrittenen Wiederwahl Ende Mai nach massiver Kritik erklärt, seinen Posten bei einem außerordentlichen Kongress zur Verfügung zu stellen. Der Wahltermin wurde mittlerweile auf 26. Februar 2016 festgelegt.

"Es gibt Zeiten im Leben, in denen du dein Schicksal in die eigenen Hände nehmen musst", erklärte Platini in einer Uefa-Mitteilung. "Dies ist eine sehr persönliche, sorgfältig getroffene Entscheidung, in der ich die Zukunft des Fußballs gegen meine eigene Zukunft abgewogen habe." Schließlich war Platini schon zuvor als logischer Nachfolger Blatters gehandelt worden, sah aber zunächst von einer Bewerbung ab, nachdem ihm für eine Kampfabstimmung gegen Blatter wenig Chancen eingeräumt worden waren. Stattdessen ließ er sich erst im März in Wien als Uefa-Chef bestätigen.

Durch den Rückzug Blatters aber haben sich die Aussichten für den 60-Jährigen massiv verbessert. Als einziger ernstzunehmender Konkurrent hat bisher der frühere Fifa-Vizechef Chung Mong Joon aus Südkorea eine Kandidatur angekündigt, auch die brasilianische Fußball-Ikone Zico, der liberische Verbandspräsident Musa Bility sowie Diego Maradona liebäugeln mit einer Bewerbung. Um überhaupt für die Wahl zugelassen zu werden, benötigen sie zunächst aber die Unterstützungserklärungen von zumindest fünf nationalen Verbänden.

Für Platini indessen stellen sich Fragen wie jene nach Unterstützern sowie einer Funktionärskarriere nicht; er soll sogar schon die Zusage der Konföderationen aus Europa, Asien, Südamerika sowie Nord- und Mittelamerika haben. Üblicherweise wird im Block gewählt. Auch Österreichs Verbandschef Leo Windtner versprach dem Franzosen gleich in einer ersten Reaktion die Stimme des ÖFB: "Michel Platini steht ganz klar für Sport und Entwicklung und hat die Autorität, eine neue Ära in der Fifa einzuleiten, die auf Transparenz, Vertrauen und Seriosität basiert. Er wird seitens des ÖFB in jeder Hinsicht volle Unterstützung erhalten."

Für den - höchstwahrscheinlichen Fall -, dass Platini gewählt und damit der Posten des Uefa-Chefs vakant wird, gilt Wolfgang Niersbach, aktuell Präsident des deutschen Verbandes, als logischer Nachfolger.