Wien. (art) Diego Maradona gibt sich gern als Rächer der Entrechteten. Nun will er es mit der "Mafia" aufnehmen, wie er sagt. "Ich muss die Mafia bekämpfen, die sich immer noch in der Fifa befindet, diejenigen, die lange Zeit innerhalb der Fifa gestohlen haben." Nun hat Maradona, der zuletzt mit einem Antreten zur Fifa-Präsidentschaftswahl geliebäugelt hat, dies aber nach wie vor offen lässt, selbst auch schon für etliche Kontroversen gesorgt. Doch mit seinem Befund über den Weltfußballverband steht er nicht alleine da.

Und daran, dass sich an dem Korruptionsproblem tatsächlich etwas ändert, wenn im Februar des kommenden Jahres ein Nachfolger für den scheidenden Präsidenten Joseph Blatter gewählt wird, glauben viele nicht. Zwar erntete Michel Platini, aktuell Chef des europäischen Verbandes und seit Mittwoch offiziell Kandidat auf das höchste Amt im Weltfußball, vor allem aus Europa Beifall für seine Ankündigung, antreten zu wollen; zwar sagte ihm am Tag darauf auch der Chef der asiatischen Konföderation, Scheich Salman al-Khalifa, öffentlich seine Unterstützung zu. Doch in den Applaus mischten sich auch kritische Töne. Platini wäre "nicht gut für die Fifa", meinte etwa der jordanische Prinz Ali bin al-Hussein, der bei der Wiederwahl Blatters im Mai als dessen einziger Gegenkandidat noch von der Uefa unterstützt worden, letztlich aber chancenlos war. "Die Fans und die Spieler verdienen etwas Besseres", sagte er und forderte eine "neue, unabhängige Führung, die unbefleckt von den vergangenen Praktiken" sei.

Platini indessen ist seit Anbeginn seiner Funktionärskarriere ein Zögling des Apparats: Seit 1993 arbeitete die frühere französische Fußballer-Ikone im Organisationskomitee der WM 1998 in Frankreich - laut Aussagen des FBI-Kronzeugen Chuck Blazer hatte es schon im Vorfeld dieser WM dubiose Geldflüsse gegeben -, 1998 unterstützte Platini aktiv Blatter bei seinem ersten Präsidentschaftswahlkampf, bis 2002 war er auch dessen Berater, ehe er ins Exekutivkomitee einstieg. Seine Verbindungen zu Katar, dem Gastgeber der umstrittenen WM 2022, sind amtlich. Dass nun ausgerechnet er der große Reformer sein soll, bezweifeln nicht nur seine unmittelbaren Gegner. "Platini ist attraktiver, jünger als Blatter. Er ist ein Fußballidol", sagte der Schweizer Antikorruptionsexperte Mark Pieth, der die Fifa bei ihren Reformplänen beraten hatte, schon vor einigen Wochen zur "Neuen Zürcher Zeitung" - "aber sonst ist er aus dem gleichen Holz geschnitzt und gehört zum System Blatter". Dennoch - oder vielleicht sogar deshalb - ist der 60-Jährige bei der Wahl am 26. Februar 2016 der große Favorit auf den Chefsessel. Er ist bestens damit vertraut, wie Netzwerke und Seilschaften gesponnen werden, weiß, wie man kleine Verbände auf seine Seite zieht - was ihm schon bei seiner Wahl zum Uefa-Präsidenten 2007 geholfen hat. Und er hat kaum nennenswerte Gegner. Bisher hat außer ihm nur der Südkoreaner Chung Mong-joon seine Kandidatur angekündigt; der Brasilianer Zico, der weitgehend unbekannte liberische Verbandschef Musa Bility sind interessiert, ein mögliches neuerliches Antreten al-Husseins ist in Schwebe und wohl wenig erfolgversprechend. Und ob es Diego Maradona tatsächlich mit der Mafia aufnehmen will, ist ungewiss.