Harte Schläge: Kämpfer wie Floyd Mayweather (r.) oder Andre Berto stecken oft ordentlich ein. - © Joe Camporeale
Harte Schläge: Kämpfer wie Floyd Mayweather (r.) oder Andre Berto stecken oft ordentlich ein. - © Joe Camporeale

Wien. Als David Browne Jr. Freitagabend in der letzten Runde seines Titelkampfes gegen den Filipino Carlo Magali zu Boden ging, sah alles nach einem gewöhnlichen Knock-out aus. Erst als der Australier wenige Minuten später erneut kollabierte, wurde klar, dass sich der 28-jährige Familienvater schwer verletzt hatte. Am Dienstag (Ortszeit) verstarb Browne schließlich nach vier Tagen im künstlichen Tiefschlaf.

Innerhalb eines halben Jahres ist Browne der zweite tote Boxer in Australien. Bereits im März war der 23-jährige Braydon Smith seinen schweren Hirnverletzungen erlegen. Die Australian Medical Association - kurz AMA - spricht sich nun offen für ein Verbot des Boxsports in Australien aus. Stephen Parnis, Vizepräsident der AMA, hält den Sport für nicht tragbar. "Ich weiß, dass das nicht beabsichtigt ist. Aber durch die Art, wie Boxen funktioniert, wird es immer wieder Situationen geben, in denen jemand Hirnblutungen oder schwere Hirnschäden davonträgt und sein Leben verliert. Deshalb ist die AMA der Meinung, dass wir damit nicht weitermachen können."

Fehler im Konzept


Dabei scheint der Boxsport, mit seinen strengen Regeln, den begrenzten Trefferzonen und den dicken Handschuhen auf größte Sicherheit ausgelegt zu sein. Im Vergleich zum augenscheinlich barbarischen Mixed Martial Arts, bei dem auf den ganzen Körper geschlagen und getreten werden darf und bei dem nur minimal gepolsterte Handschuhe zum Einsatz kommen, wirkt Boxen beinahe zivilisiert.

Einer Studie der Nevada Athletic Commission zufolge könnte genau diese Unterscheidung zu einem fatalen Trugschluss führen. Die über einen Zeitraum von fünf Jahren durchgeführte Studie befasste sich mit der Frage, ob Boxen oder Mixed Martial Arts gefährlicher sei. Das Ergebnis ist die Vermutung, dass gerade die dicken Handschuhe und die begrenzte Trefferzone die Ursache für die schweren Folgen des Boxsports sind. Während beim Mixed Martial Arts Kämpfe meistens über höchstens 15 Minuten gehen, dauern Titelkämpfe im Boxen doppelt so lang. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist das bekannte Anzählen von niedergeschlagenen Boxern. Boxer, die nach einem Schlag kurzzeitig das Bewusstsein verlieren, dürfen aufstehen und weiterkämpfen, wenn ihnen das innerhalb des Zeitlimits gelingt. Führt im Mixed Martial Arts ein Schlag zur Bewusstlosigkeit eines Kämpfers, bricht der Ringrichter den Kampf sofort ab.