Zürich. Ein letztes Verhör vor den Ethikhütern des Weltfußballverbandes Fifa bleibt Joseph Blatter noch, um sich einen Abgang in Würde zu ermöglichen. Während Blatter, allen Skandalen zum Trotz noch immer Präsident, aber derzeit suspendiert, nach wie vor gegen eine womöglich lebenslange Sperre vor der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission und damit um seinen Ruf kämpfen will, obwohl er ohnedies seinen Rücktritt für 26. Februar angekündigt hat, sagte Michel Platini, der am Freitag dran gewesen wäre, seinen Auftritt vor Richter Hans-Joachim Eckert ab. Aufgrund von "Missachtung der Unschuldsvermutung und aller fundamentalen Rechte" durch die Ethikhüter werde er nicht zur Anhörung erscheinen, teilte der ebenfalls gesperrte Uefa-Präsident über seine Anwälte mit.

Die beiden früher eng verbündeten und inzwischen zerstrittenen Spitzenfunktionäre fuhren in den vergangenen Tagen schwere Geschütze gegen die Fifa-Ethikhüter auf, Blatter sprach gar von "Inquisition". Nur so recht entkräften konnten beide den Vorwurf der Korruption nicht. Blatter sieht in der dubiosen Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken an Platini aus dem Jahre 2011 für Beratertätigkeiten zwischen 1998 und 2002 nichts Anrüchiges. Die Vereinbarung sei rechtens, weil sie auf einem mündlichen Vertrag basiere. So sieht es auch Platini, der darauf beharrt, dass mündliche Verträge genauso wie schriftliche ihre Berechtigung haben. Die Untersuchungskammer hat dazu eine andere Meinung, sie fordert laut Berichten eine lebenslängliche Sperre für beide. Am 21. Dezember will die rechtssprechende Kammer ihr Urteil verkünden. Sollte sie dem Vorschlag folgen, müsste Platini wohl seine Anwärterschaft auf das Fifa-Präsidentenamt endgültig ad acta legen. Allerdings haben beide angekündigt, in diesem Fall (erneut) vor den internationalen Sportgerichtshof zu ziehen.