Zürich. (art) Es gibt doch noch Erheiterndes aus der Rubrik Fifa und Joseph Blatter: Der 79-Jährige, der von der Ethikkommission für vorerst 90 Tage gesperrt ist, am Donnerstag vor der rechtssprechenden Kammer zu den Korruptionsvorwürfen Stellung nehmen musste und gegen den die Behörden wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsgebarung ermitteln, wurde von der "Weltwoche" zum Schweizer des Jahres geadelt. Auch Russlands Präsident Wladmir Putin würdigte den Fifa-Präsidenten in seiner Jahrespressekonferenz in Moskau als "jemanden, dem man den Friedensnobelpreis geben sollte". In der "Weltwoche" wiederum werden die "eindrücklichen Leistungen dieses Ausnahmeschweizers, der als eine Mischung aus Sonderbotschafter und Entwicklungshelfer rastlos um den Planeten tourte", hervorgehoben. Blatter sei "Fußballkämpfer für eine bessere Welt", schreibt das konservative Blatt.

All diese Huldigungen und die tatsächlichen Verdienste um den Fußball können indessen nichts daran ändern, dass Blatter gegen Ende seiner seit 1998 währenden Amtszeit tiefer denn je im Schlamassel steckt. Bisher wurde er von der Fifa noch von jedem noch so schweren Vorwurf freigesprochen, nun aber fordert die untersuchende Kammer laut Medienberichten eine lebenslange Verbannung aus dem Fußball. Hintergrund ist eine Zwei-Millionen-Franken-Zahlung an den ebenfalls suspendierten Uefa-Chef Michel Platini aus dem Jahre 2011. Eine endgültige Entscheidung der Rechtskommission unter Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert wird für Montag erwartet.

Davor warb er am Donnerstag vor Eckert noch einmal in eigener Sache. Doch der Optimismus, den er bisher demonstrativ an den Tag gelegt hat, scheint gebrochen. "Es gibt, auch für mich, ein Leben nach der Fifa", sagte er zuletzt. Er wolle sich nun an den Rat seiner Lebensgefährtin und seiner Tochter halten - "Ruhe zu bewahren und mich an das zu halten, was im Leben wichtig ist: Gesundheit und Liebe."