Zürich. (art) Dreimal noch schlafen, hieß es nach den Anhörungen vor der Fifa-Ethikkommission am Freitag, dann ist zwar noch nicht Weihnachten, aber die Bescherung für Joseph Blatter und Michel Platini perfekt. Am Montagvormittag wird Richter Hans-Joachim Eckert als Vorsitzender der rechtssprechenden Kammer der Fifa-Ethikkommission sein Urteil über die beiden korruptionsverdächtigen Funktionäre sprechen. Die Untersuchungskommission hatte eine lebenslängliche Sperre für Blatter und Platini gefordert, in der Regel kommt die rechtssprechende Kammer ihren Vorschlägen nach.

Den von beiden aufgebrachten Vorwurf der Vorverurteilung wies man allerdings in den vergangenen Tagen vehement zurück. Während Blatter, Noch-Präsident des Weltfußballverbandes, persönlich aussagte, um die letzte Möglichkeit eines Abgangs in Würde zu nützen, erschien Platini nicht zu dem Termin, sondern ließ sich von seinem Anwalt Thibaud D’Ales vertreten. Er habe ein 120-seitiges Schreiben übermittelt, das die Unschuld seines Mandanten belege, und fordere daher dessen Freispruch, erklärte D’Ales in der "L’Équipe". "Wir werden sehen, ob sie unsere Argumente verstanden haben", sagte der Franzose.

Blatter und Platini könnten über eine Zwei-Millionen-Franken-Zahlung des Schweizer Fifa-Chefs an seinen einstigen Vertrauten aus dem Jahr 2011 stolpern. Laut Angaben der beiden inzwischen verfeindeten Funktionäre habe es sich dabei um ein Beraterhonorar für Dienste aus den Jahren 1998 bis 2002 gehandelt. Platini hofft auf Entlastung durch ein internes Uefa-Dokument vom 12. November 1998, in dem über seine Tätigkeiten für die Fifa berichtet und ein Jahresgehalt von einer Million Franken genannt wird. Warum das Geld erst Jahre später bei ihm landete, konnte er bisher aber nicht glaubhaft erklären. Der 60-Jährigen möchte als Platters Nachfolger kandidieren. Letzterer legt sein Amt im Februar nieder. Bei einer Sperre wären diese Pläne dahin.

1000 Tickets für Warner

Indes veröffentlichte "Der Spiegel" den Vertragsentwurf zwischen dem deutschen Fußball-Bund und dem inzwischen lebenslang gesperrten Fifa-Funktionär Jack Warner. Demnach sollte der Ex-Chef des Kontinentalverbands für Nord-, Mittelamerika und die Karibik 1000 Eintrittskarten der teuersten Kategorie für die WM 2006 erhalten. Diese wären Hunderttausende Euro wert gewesen. Der Vertrag ist nie in Kraft getreten, DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball bezeichnete ihn jedoch später als Bestechungsversuch.