Denver/Charlotte. (art) Die Super Bowl ist reich an Geschichte und Geschichten; Peyton Manning hat sie in der vergangenen Dekade mitgeschrieben, und das tut er zumindest ein Mal noch. Manning schaffte es mit den Denver Broncos in einem spannenden Spiel gegen Titelverteidiger New England Patriots, das die Broncos auch aufgrund ihrer hervorragenden Defense mit 20:18 gewannen, in der Nacht auf Montag ins Finale der nordamerikanischen Football-Liga NFL. Das Duell der beiden Star-Quarterbacks mit Tom Brady ging damit klar an den 39-Jährigen, der damit nicht nur als ältester Spielmacher der Geschichte im Endspiel steht - und so den Rekord von, ausgerechnet, Denver-General-Manager John Elway aus dem Jahr 1999 brach -, sondern auch als Erster in seiner Karriere zwei unterschiedliche Teams je zweimal in die Superbowl führte. 2007 hat er sie mit den Indianapolis Colts gewonnen, 2010 mit derselben Mannschaft verloren, ebenso wie 2014 mit den Broncos.

Nun könnte er seine Karriere mit einem weiteren Meilenstein ausklingen lassen. Theoretisch. Denn Favorit ist Denver nicht, zu klar haben die Carolina Panthers, Finalgegner in Santa Clara in der Nacht auf 8. Februar, die bisherige Saison dominiert. Erst ein Spiel haben die Panthers dabei verloren, im Halbfinale mit den Arizona Cardinals beim 49:15 kurzen Prozess gemacht.

Und Carolina kann sich auf einen Mann verlassen, der Manning, Brady und den anderen Topspielern der Szene in der heurigen Saison den Rang abgelaufen hat, der als legitimer Nachfolger der in die Jahre gekommenen Star-Quarterbacks gelten kann und dabei irgendwie auch wie ein Gegenentwurf zu Manning wirkt: Cam Newton, 26 Jahre alt, Modellathlet und variabler Quarterback moderner Prägung, der nicht nur mit seinen präzisen Pässen, sondern auch als Läufer mit schnellen Beinen stets für Gefahr sorgt. Im NFL-Halbfinale bereitete er zwei Touchdowns vor, trug den Ball zweimal selbst in die Endzone und hatte auch sonst mit den Cardinals seine helle Freude.

Dass er dies allzu enthusiastisch zeigte, indem er schon lange vor Ablauf der Zeit am Spielfeldrand feierte, mag ihm von manchen als Respektlosigkeit ausgelegt worden sein. Doch Fans und Mitspieler lieben ihn, den Spaßbruder, der mit extravagantem Schuhwerk für Aufsehen sorgt und nach den Spielen Bälle an Kinder verschenkt. Minutenlang hallten von den Rängen des mit 74.000 Zuschauern besetzten Bank-of-America-Stadions "M-V-P"-Rufe in seine Richtung, mit dem seine wohl schon jetzt ohnehin feststehende Auszeichnung als wertvollster Spieler eingefordert wurde; amerikanische Zeitungen haben ihm den Beinamen "Superman" verpasst; und die Teamkollegen kamen aus dem Schwärmen von Newton gar nicht mehr heraus. "Was soll ich über Cam sagen?", meinte etwa sein Kollege Charles Johnson - um dann doch einiges zu sagen: "Das ist seine Welt. Er ist der MVP. Ich nenne ihn Obama. Ich bin einfach nur froh, ihn in meinem Team zu haben. Er macht erstaunliche Dinge."

So unumstritten war Newton allerdings nicht immer. Während seiner College-Karriere war er eine Zeit lang suspendiert, weil er ein Notebook gestohlen hatte, später geriet er in die Negativschlagzeilen, weil sein Vater angeblich in Gesprächen mit Collegevertretern illegale Barzahlungen für ein Engagement verlangt haben soll. Sein Talent war allerdings damals schon unzweifelhaft. 2010 wurde er unter anderem mit der Heisman Trophy für den besten Collegespieler sowie dem Manning Award für den besten Quarterback ausgezeichnet. Am 7. Februar wird er dem großen Peyton Manning nun auf Augenhöhe begegnen.