Melbourne. (art) "Happy Australia Day", sagte Novak Đoković in Richtung Publikum, und er selbst wirkte dabei am glücklichsten. 6:3, 6:2, 6:4 hatte er sich in einem unerwartet einseitigen Spiel gegen den fehlerhaften Japaner Kei Nishikori durchgesetzt, hatte die Zweifel nach seinem mit 100 Fehlern gespickten Fünfsatzkrimi gegen Gilles Simon eine Runde davor ausgelöscht und damit sein Halbfinalticket bei den Australian Open gebucht. In diesem kommt es nun am Donnerstag zum für viele vorweggenommenen Finale gegen den Schweizer Roger Federer, der kurz davor ebenso klar gegen Tomá Berdych gewonnen hatte. 7:6, 6:2, 6:4 lautete das Ergebnis, mit dem Federer zum 39. Mal in ein Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier einzog, zum zwölften Mal in Melbourne.

Gewinnen konnte er das Turnier bisher viermal, Đoković, für den es das sechste Australian-Open-Halbfinale ist, hat hier einen Sieg mehr auf dem Konto und könnte mit einem weiteren Titel mit der australischen Tennis-Legende Roy Emerson gleichziehen. Zunächst aber geht es zum insgesamt 45. Mal gegen Federer, die Bilanz in den direkten Begegnungen steht bei 22:22, wobei der serbische Weltranglistenerste in den jüngsten beiden Grand-Slam-Endspielen - 2015 in Wimbledon sowie bei den US Open - die Oberhand behielt. Doch Federer, wiewohl selbst seit Wimbledon 2012 ohne Major-Titel, fühlt sich auch mit 34 Jahren noch bereit, seiner Rekordsammlung einen 18. Pokal bei einem der vier wichtigsten Turniere des Jahres hinzuzufügen. "Ich denke, das ist einer der Gründe, warum ich noch spiele. Ich spüre, dass ich an der Spitze wettbewerbsfähig bin. Ohne Frage, es würde mir sehr viel bedeuten", sagte der Schweizer, der allerdings gegen Đoković ein gänzlich anderes Spiel erwartet als gegen den Tschechen, als er am Netz viele Punkte holte. "Novak verfügt vielleicht über die besten Returns. Ich werde auch gegen ihn offensiv spielen müssen, aber ich werde meine Angriffe auch gut vorbereiten müssen", meinte er. Große Wertschätzung zeigte auch der Titelverteidiger vor dem Halbfinalschlager: "Über Rogers Erfolge brauche ich nicht zu sprechen. Ich habe riesigen Respekt für ihn, es wird ein großartiges Match, ganz sicher. Ich habe jetzt 44 Mal gegen ihn gespielt, 45 Mal gegen Rafael Nadal. Es sieht fast so aus, als hätte ich die Hälfte meiner Karriere nur gegen diese beiden gespielt", sagte Đoković.

Williams souverän

Was diese drei, von denen Nadal schon früh ausgeschieden sind, in den vergangenen zehn Jahren bei den Herren sind, ist bei den Damen indessen Serena Williams. Die US-Amerikanerin strebt bei den Australian Open schon ihren 22. Grand-Slam-Sieg an, im Viertelfinale fegte sie über Maria Scharapowa mit 6:4, 6:1 hinweg. Nächste Gegnerin ist Masters-Siegerin Agnieszka Radwañska, die Carla Suárez Navarro mit 6:1, 6:3 schlug. Für Williams, die sich nun schon zum 18. Mal hintereinander als zu stark für Scharapowa erwiesen hatte, wird dies nach ihrer fast halbjährigen Pause nach dem enttäuschenden US-Open-Halbfinal-Aus der bisher größte Prüfstein seit ihrer Rückkehr: "Es wird ein schwieriges Spiel. Aga hat die vorige Saison stark beendet und ist auch im Jänner in einer ausgezeichneten Form. Ich erwarte ein langes, strapaziöses Spiel, das aufzeigen wird, wo ich im Moment stehe."