Wiedersehen im Finale: Andy Murray hat im Einzel geschafft, was sein Bruder Jamie im Doppel erreichte. Erstmals sind zwei Brüder in beiden Bewerben bei einem Grand-Slam-Turnier vertreten. - © ap/Aaron Favila
Wiedersehen im Finale: Andy Murray hat im Einzel geschafft, was sein Bruder Jamie im Doppel erreichte. Erstmals sind zwei Brüder in beiden Bewerben bei einem Grand-Slam-Turnier vertreten. - © ap/Aaron Favila

Melbourne. (art/apa) Es dürften spannende Tage für die Familie Murray werden: Am Samstag bestreitet Jamie Murray gemeinsam mit Bruno Soares, dem brasilianischen Ex-Partner von Alexander Peya, das Doppel-Finale der Australian Open gegen Daniel Nestor/Radek Štěpánek; tags darauf fordert Bruder Andy im Herren-Einzel den serbischen Weltranglistenersten Novak Đoković. Und doch sind die Gedanken nicht einzig und alleine beim Tennis, erwartet Murrays Frau Kim doch Anfang Februar das erste Kind. Es wird eine unbekannte Erfahrung für Murray werden ("Ich lese viel, aber ich denke, das lernt man dann erst, wenn das Baby da ist") - ganz anders als ein Finalantreten in Australien. Schon das fünfte Mal steht der Olympiasieger und zweifache Gewinner von Grand-Slam-Turnieren im Endspiel der Australian Open - gewinnen konnte er sie noch nie. 2010 scheiterte er an Roger Federer, 2011, 2013 und im Vorjahr an Đoković.

"Wir hatten hier schon gute Matches, ich hoffe, dass es diesmal anders ausgehen wird", sagt der Schotte. Die Voraussetzungen könnten aber schwieriger kaum sein: Seinen 4:6, 7:5, 6:7, 6:4, 6:2-Halbfinalsieg gegen den immer stärker werdenden, im fünften Satz aber durch eine Oberschenkelblessur leicht gehandicapten Kanadier Milos Raonic musste er sich hart erarbeiten; zudem zeigte sich Đoković beim vorangegangenen Viersatzsieg über Federer in Überform und hat überdies einen Tag länger Pause vor dem Finale. "Es werden viele Dinge wichtig sein, wenn man gegen den Besten spielt, ich darf mir keine Fehler, keine Durchhänger erlauben. Er hat die beiden jüngsten Matches wahnsinnig gut gespielt, er liebt es hier", sagt der 28-jährige Murray, der dem Fünffachsieger im Vorjahr in vier Sätzen unterlag.

Davor aber wird er noch seinem um ein Jahr älteren Bruder die Daumen halten, der gemeinsam mit ihm hier in Melbourne schon jetzt Geschichte geschrieben hat: Noch nie waren zwei Brüder bei einem Grand-Slam-Turnier im Einzel- und im Doppelfinale vertreten. "Das ist etwas, das wir nie erwartet hätten. Natürlich ist die ganze Familie stolz", erzählt Andy. Doch auch die anderen Finalisten im Doppel haben einen Rekord bereits in der Tasche: Nestor und Štěpánek sind mit 43 beziehungsweise 37 Jahren das älteste Duo, das es in ein Major-Finale geschafft hat.

Im Damen-Doppel indessen ist der Titel bereits vergeben, an der Seite von Sania Mirza holte die frühere Einzel-Weltranglistenerste Martina Hingis ihren insgesamt bereits 21. Grand-Slam-Titel und mit Mirza nach Wimbledon und US Open den dritten hintereinander. Im Finale setzten sie sich mit 7:6, 6:1 gegen die Tschechinnen Andrea Hlaváčková/Lucie Hradecká durch - und damit ihre unglaubliche Siegesserie fort: Denn die 35-Jährige Schweizerin und die um sechs Jahre jüngere Inderin haben ihre acht jüngsten Turniere beziehungsweise 36 Spiele hintereinander gewonnen. "Dank meiner Partnerin hatten wir ein unglaubliches Jahr. Wir werden weitermachen, es ist großartig, all diese Rekorde mit dir zu haben", jubelte Mirza auf dem Platz. Um einen ganz besonderen Rekord geht es auch im Damen-Einzel am Samstag: Gewinnt Serena Williams, die im bisherigen Turnier keine Schwäche zeigte, auch gegen die Deutsche Angelique Kerber, stellt sie mit ihrem dann 22. Grand-Slam-Sieg im Einzel die Bestmarke von Steffi Graf ein. Allerdings will auch Kerber auf den Spuren Grafs wandeln, hat diese doch als bisher einzige Deutsche in Melbourne triumphiert. Abgesehen von der vierfachen Siegerin schaffte es nur Anke Huber 1996 ins Endspiel. Topfavoritin ist und bleibt freilich Williams, doch die 34-Jährige ist vor ihrer Konkurrentin gewarnt: In sechs Duellen musste sie sich zwar erst einmal, 2012 in Cincinnati, geschlagen geben, das Match hat sie aber noch genau in Erinnerung: "Seit damals haben ich und alle anderen gewusst, dass sie jemand ist, den man sehr ernst nehmen muss", meint die US-Amerikanerin.