Hamburg. Für HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein ist der deutsche Fußball-Bundesligist ein Sanierungsfall. "Definitiv - sportlich wie finanziell", sagte Wettstein in einem Interview des Wirtschaftsmagazins "Finance". Der Klub habe in den vergangenen zehn Jahren elf Trainer gehabt und die vergangenen fünf Geschäftsjahre mit Verlust abgeschlossen. Die wiederholten Kaderumbrüche und Abfindungszahlen hätten den Verein "etliche Millionen" gekostet, erklärte er.

Die Gesamtverbindlichkeiten bezifferte er mit 90 Millionen Euro. Um den Verein weiter finanzieren zu können, könnte der Stadionkredit, bei dem eine Restschuld von 25 Millionen Euro bleibt, gestreckt werden. "Das könnten wir zwar stemmen, aber dann bliebe nicht mehr viel übrig, um in den Kader zu investieren", sagte Wettstein. "Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kreditgeber ein Interesse daran haben, dass der HSV in einem finanziellen Kraftakt die vereinbarte Tilgung leistet, dann aber im sportlichen Bereich nicht mehr handlungsfähig ist."

Zur Finanzierung des Volksparkstadions erklärte Wettstein: "In den vergangenen Jahren hatten wir immer zwischen sechs und acht Millionen Euro im Jahr zu tilgen. Auch dies hat zu der momentanen Schieflage beigetragen, das darf man nicht vergessen." Der Plan für die wirtschaftliche Gesundung der Fußball AG der Hamburger soll in den nächsten zwei Jahren auf den Weg gebracht werden. Aktuell befinde man sich noch in einer Übergangsphase, für die Zukunft ist Wettstein zuversichtlich.

Sportlich liegt der HSV vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln am Sonntag auf dem elften Platz, dennoch dürfte die Stimmung angespannt sein. Beim Training sind der Kroate Ivo Iličević und Michael Gregoritsch nach einem harten Zweikampf aneinandergeraten, Iličević hat Gregoritsch daraufhin eine Kopfnuss verpasst. Zudem musste der Österreicher auch am Fuß behandelt werden, eine Diagnose stand noch aus.