Das Duell der Star-Quarterbacks Peyton Manning (l.) und Cam Newton. - © ap
Das Duell der Star-Quarterbacks Peyton Manning (l.) und Cam Newton. - © ap

Los Angeles/Santa Clara. Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da kann kein Kopf dagegenhalten. Am Ende war es nur ein weiterer Beweis für das Offensichtliche, was die Forscher des Department of Veteran Affairs und der Boston University Ende vergangenen Jahres zu Tage förderten. Aber weil ihre Erkenntnisse das Geschäftsmodell der mit Abstand umsatzträchtigsten Sportliga der Welt dermaßen in Frage stellten, wurde darum (wieder einmal) nicht viel Aufhebens gemacht. Beziehungsweise sorgten (wieder einmal) Legionen von PR- und Marketingmenschen mit Büros in den höchsten Wolkenkratzer-Etagen von New York und Los Angeles dafür, dass jene Zahl der Amerikaner, die ihren Kindern künftig das Spiel mit dem ledernen Ei verbietet, überschaubar bleibt. Was die Wissenschafter aus Washington D.C. und Massachusetts (wieder einmal) belegten, war keine Überraschung. Nur das Ausmaß des Irrsinns wurde wieder einmal deutlich. Das Forscherteam hatte insgesamt 91 Leichen ehemaliger Spieler der National Football League (NFL) untersucht, mit besonderem Augenmerk auf den Zustand ihrer Gehirne. Respektive dem, was davon noch übrig war. Bei 87 von ihnen wurde post mortem die Krankheit Dementia pugilistica festgestellt, aka chronisch-traumatische Enzephalopathie, aka "Boxer-Syndrom". Eine schwere neurale Störung, die nach häufigen Schlägen auf den Kopf auftritt. Die Folgen: Gedächtnisverlust, Depressionen, Demenz. Unter anderem.

Nun ist es nicht so, dass nicht schon längst bekannt wäre, dass American Football seine Spieler schwer krank macht. Aber angesichts eines geschätzten Jahresumsatzes von 12,4 Milliarden Dollar, den die NFL im Jahr 2015 erzielte, liegt es noch immer und trotz allem - erst jüngst nahm sich der Hollywood-Film "Concussion" ("Erschütterung") mit Will Smith in der Hauptrolle des Themas an - kaum am Interesse der Betreiber, dem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Und wenn es nur in der Form wäre, Football-begeisterten Eltern zu empfehlen, den Nachwuchs erst dann am Gridiron aufeinander loszulassen, wenn dessen Gehirnausbildung buchstäblich abgeschlossen ist.

Ungeachtet all dessen feiert am Sonntag die traditionell größte Sause des amerikanischen Fernsehjahres ein rundes Jubiläum. 50 Jahre ist es her, dass sich im Los Angeles Coliseum die Kansas City Chiefs mit den Green Bay Packers maßen, um herauszufinden, wer die beste professionelle Football-Mannschaft im Land hat. Die Erfindung der Super Bowl war die Konsequenz einer schon vor der historischen Begegnung beschlossenen Fusion zwischen zwei um die Zuschauergunst buhlenden Ligen, die sich drei Jahre später unter einem Dach wiederfanden: der alteingesessenen NFL (Gründungsjahr 1920) und der 1959 gegründeten, seinerzeit vielerorts als neureich verschrienen American Football League (AFL). Verschrien deshalb, weil viele der damaligen Besitzer von AFL-Mannschaften erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu Geld gekommen waren und bis Ende der Fünfzigerjahre fast ausnahmslos erfolglos versucht hatten, Teil des exklusiven NFL-Klubs zu werden.