Wien/Oslo. (rel/apa) Fünf Jahre. So lange liegt nun schon der letzte Medaillenerfolg eines österreichischen Biathleten bei Weltmeisterschaften zurück. Seit Christoph Sumann 2011 in Chanty-Mansijsk Bronze gewonnen hat, ist der ÖSV bei drei Titelkämpfen leer ausgegangen. Geht es aber nach Simon Eder und Dominik Landertinger, so soll mit der Serie bei der WM, die am Donnerstag in Oslo startet, Schluss sein.

Vor allem Eder ist nach seinem Weltcupsieg im Jänner in Ruhpolding und einem vierten Platz vor wenigen Tagen im letzten Rennen vor der WM in den USA hoch motiviert in die norwegische Hauptstadt gereist. Rekordverdächtige Schießzeiten mit großteils exzellenter Trefferquote sowie eine anhaltend gute Laufform haben Eder so auf Rang vier der Weltcup-Gesamtwertung befördert. Dank dieser Verfassung soll es nun auch mit der ersten Einzelmedaille bei einem Großereignis klappen. "Ich durfte in dieser Saison zum Glück schon des Öfteren ganz vorne mitmischen, ich werde also bei der WM keine für mich neue Situation vorfinden", sagte Eder, der zuletzt als Olympia-Vierter im Einzel von Sotschi knapp am Stockerl vorbeigeschrammt war. Jetzt gehe es darum, "aus einer guten Saison eine sehr gute zu machen", fügte der 33-Jährige gut gelaunt hinzu.

Wie der Vater so der Sohn?

Mit dem traditionsreichen WM-Schauplatz ist er bestens vertraut. Ob ihm der Holmenkollen wie seinem Vater und Mentor Alfred, der hier vor 30 Jahren WM-Bronze gewann, auch das nötige Quäntchen Glück bringt, wird sich weisen. Dass er hier tatsächlich auch siegen kann, hat Eder vor zwei Jahren bewiesen, als er in Oslo seinen zweiten von mittlerweile drei Weltcuperfolgen feierte. Eine Medaille für den Profi ist nach Ansicht von ÖSV-Biathlonchef Markus Gandler aber nicht nur deshalb überfällig. "Verdient hätten es sich alle, aber nach dieser Saison am meisten Simon, da brauchen wir nicht zu diskutieren", sagte er. "Ich würde es ihm wünschen, er hat immer hart gearbeitet. Ich hoffe, dass er seine Form konserviert hat." Das hofft Gandler auch für den Rest der Mannschaft. "Wir sind gut aufgestellt. Wir können mit einem guten Gefühl hinfahren, unser Standardziel, die Medaille, ist möglich."

Auftakt in der Mixed-Staffel

Denn auch ohne Eder war für Österreich Oslo bisher jedenfalls ein ausgesprochen guter WM-Boden. So haben dort nicht nur Vater Alfred, sondern auch Wolfgang Rottmann sowie der jetzige ÖSV-Co-Trainer Ludwig Gredler mit Gold und Silber im Jahr 2000 rot-weiß-rote Sternstunden erlebt. Nicht zu vergessen Franz Schuler, der hier 1986 als Zweiter ins Ziel kam.

Der Traum von einer Medaille verfolgt auch Eders Kollege Landertinger, der zwar den Weltcup in den USA ausgelassen hat, dafür aber ebenso auf eine vielversprechende WM-Generalprobe in Kanada mit den Rängen vier und fünf verweisen kann. Seinen letzten WM-Stockerlplatz hatte er der Sprint-Olympiazweite von Sotschi 2009 im Massenstart gewonnen - und da gleich Gold. Um sich vorzubereiten, hat der Tiroler einen WM-Trainingsblock in Hochfilzen absolviert. Klares Ziel in Oslo ist für ihn freilich eine Medaille. "Für vierte und fünfte Plätze kann man sich nicht viel kaufen, aber alles in den Top Ten ist eine unvorstellbare Leistung, darauf kann man stolz sein, auch wenn es keine Medaille ist", meinte er. Wie Eder verbindet auch Landertinger mit Oslo gute Erfahrungen, wie etwa Platz zwei im Weltcup-Massenstart 2014 zeigt.

Dennoch, leicht wird es für die ÖSV-Sportler nicht. Der Kreis der Anwärter auf Edelmetall ist groß. Allen voran gehen der französische Dauerbrenner Martin Fourcade und die norwegischen Gastgeber um die Bö-Brüder und Rekordweltmeister Ole Einar Björndalen als klare Favoriten ins Rennen. Die erste Herausfordernung wartet auf die ÖSV-Athleten beim WM-Auftaktbewerb in der Mixed-Staffel am Donnerstag. Der Verband hat hierfür Dunja Zdouc, Lisa Hauser, Simon Eder und Dominik Landertinger nominiert.