Ein letztes Good-bye: Peyton Manning verabschiedet sich aus der NFL. - © ap/Chris Carlson
Ein letztes Good-bye: Peyton Manning verabschiedet sich aus der NFL. - © ap/Chris Carlson

Denver. (art) Er wollte sich Zeit lassen mit seiner Entscheidung, habe davor noch eine Menge Dinge zu erledigen: "Ich werde meine Frau küssen, meine Familie umarmen, eine Menge Bier trinken, ein Gebet aufsagen und dem Herrn da oben danken." Das sagte Peyton Manning am 7. Februar nach dem Gewinn der Super Bowl mit den Denver Broncos. Wie viele Busserl und Umarmungen seither verteilt wurden, wie viele Liter Bier flossen, ist nicht bekannt; doch offenbar hat Manning die Liste abgearbeitet.

Am Montag gab der Quarterback offiziell seinen Rücktritt bekannt. "18 ist eine gute Nummer, und heute trete ich vom professionellem Football zurück", sagte der 39-Jährige auf einer Pressekonferenz. "Nach 18 Jahren ist es an der Zeit. Gott beschütze Euch alle, und Gott beschütze den Football." Die "Denver Post" hatte bereits vor den Play-offs vom "letzten Rodeo" des "Sheriffs" geschrieben.

"Das Spiel verändert"


Mannings bevorstehendes Karriereende war schon die gesamte Saison über Thema gewesen. Am 24. März begeht er seinen 40. Geburtstag, was ihn zum ältesten Quarterback gemacht hat, der je die Super Bowl gewinnen konnte. Es ist nur einer von zahlreichen Rekorden, den Manning hält; dazu kommen die Tatsachen, dass er der Erste ist, der zwei Mannschaften zum Triumph geführt hat (2007 war er mit seinem Stammverein Indianapolis erfolgreich), die meisten Passing Yards (71.940) und die meisten Touchdown-Pässe (539) erzielt sowie die meisten Auszeichnungen zum MVP, dem wertvollsten Spieler, erhalten hat und andere Bestnoten. "Seine außergewöhnliche Karriere war getrieben von seinem Talent, seinem unglaublichen Arbeitsethos, seinem unerschütterlichen Verlangen, der Beste zu sein und hat für ihn so perfekt geendet mit dem Super-Bowl-Triumph", erklärte NFL-Commissioner Roger Goodell gegenüber ESPN. "Sein Wettbewerbsfeuer und seine Liebe zum Spiel haben ihn zu einer Legende gemacht, die die Fans einer ganzen Generation elektrisiert hat. Er hat der NFL als großartiger Repräsentant gedient", sagte Goodell. Und auch langjährige Rivalen zollten Manning Respekt: "Du hast das Spiel für immer verändert und alle um dich herum besser gemacht", schrieb Tom Brady auf Facebook. Als herausragende Qualitäten würdigten Freund und Feind die Genauigkeit seiner Pässe, wenngleich diese in seiner letzten Saison auch wegen zahlreicher Verletzungen abgenommen hat, ebenso wie die Genauigkeit in seiner Vorbereitung, mit der er seine Mitspieler inspiriert hat.

Doch irgendwann hat alles ein Ende, und er dürfte es als Geschenk ansehen, dass er den Zeitpunkt selbst wählen konnte. Schließlich hatte es schon 2011 so ausgesehen, als würde eine hartnäckige Nackenverletzung, deretwegen er ein Jahr lang nicht spielen konnte, jäh einen Schlusspunkt hinter seine Laufbahn setzen - zumal die Colts ihren langjährigen Leistungsträger, den sie 1998 vom College in Tennessee verpflichtet hatten, eher unsanft vor die Tür beförderten. Manning ("Ich wollte eigentlich nie für ein anderes Team spielen") gab nicht auf, heuerte bei den Broncos an, legte 2013 eine sagenhafte Saison hin und 2016 nach einer weiteren Verletzungspause den Titel nach, womit er nun wie sein jüngerer Bruder Eli zwei Super-Bowl-Ringe sein Eigen nennen darf.

Es wäre eine Geschichte, wie sie kitschiger kaum sein könnte - würden nicht auch dunkle Kapitel darin vorkommen. So wurden diese Saison wieder alte Vorwürfe ausgekramt, er hätte in Tennesse eine Physiotherapeutin belästigt - mit der er sich damals außergerichtlich geeinigt hatte -, zudem brachte ihn im Dezember eine Al-Jazeera-Dokumentation mit dem Konsum des verbotenen Wachstumshormons HGH in Verbindung. Manning dementierte die Vorwürfe vehement, nannte sie "abstoßend" und "ekelerregend". Die NFL untersucht den Fall. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, dass die Lobeshymnen zum Abschied noch einmal umgeschrieben werden müssen.