Miami. (art/apa) Von Novak Đoković wurde Dominic Thiem nach seiner Zweisatz-Niederlage im Achtelfinale des Masters-1000-Turniers in Miami mit Lob überschüttet, er selbst blieb aber am Boden. Bei seinem 3:6, 4:6 gegen den Weltranglistenersten habe er "viele positive, aber auch viele negative Sachen gesehen", an denen es nun zu arbeiten gelte, meinte der Österreicher. Vom Ergebnis her brachte das Spiel gegenüber dem bis dahin einzigen Vergleich in der dritten Shanghai-Runde 2014 tatsächlich keine Änderung, wohl aber von den Chancen, die Thiem diesmal vorfand. Über weite Strecken des Spiels verlangte er dem Seriensieger, der heuer erst eine Partie - und dies durch Aufgabe - verloren hatte, alles ab. 15 Breakbälle sprechen eine deutliche Sprache, nur einen konnte der Niederösterreicher im zweiten Satz nützen.

"Das ist zu wenig, überhaupt, wenn auf der anderen Seite des Netzes die Nummer eins der Welt steht", schrieb er danach auf Facebook. Über "einige richtig dumme Bälle, richtig schlecht vergebene Breakchancen" ärgerte sich der 22-Jährige, der zugab, anfangs "nervöser als gedacht" gewesen zu sein, am meisten, dazu fehlte speziell im letzten, zehnminütigen Game des ersten Satzes auch das nötige Glück: Nach einem tollen Ballwechsel und einem vermeintlichen Winner Thiems zum Rebreak saßen beide Spieler schon auf der Bank, als das Hawk Eye doch noch einen Fehler des Österreichers offenbarte. Nach 53 Minuten nützte der Serbe dann seinen zweiten Satzball. Ähnlich umkämpft verlief auch das Schlussgame im zweiten Satz, das sogar über 15 Minuten dauerte. Nach drei ausgelassenen Breakchancen Thiems nützte Đoković schließlich seinen vierten Matchball, der ihm auf dem Weg zu seinem sechsten Miami-Titel ein Viertelfinal-Duell mit dem Tschechen Tomáš Berdych bringt.

Der Serbe war danach sichtlich erleichtert über den Sieg, der seinen Worten nach "nur vom Ergebnis her gerade, aber weit entfernt von einfach" gewesen sei. "Mit einem Break (im letzten Game, Anm.) wäre er zurück ins Spiel gekommen, aber ich bin tough geblieben, als es am wichtigsten war", sagte er und meinte weiters über seinen Konkurrenten: "Er hatte einen guten Spielplan. Er ist jung, hatte nichts zu verlieren und Selbstvertrauen, weil er heuer schon viele Partien gewonnen hat." Beeindruckt habe ihn auch, dass Thiem sich nicht von vornherein seinem Schicksal ergab. "Er wollte gewinnen, war motiviert, das hat man gesehen", befand Đoković. Dennoch bleibt die Tatsache, dass Thomas Muster (1996 gegen Pete Sampras) und Jürgen Melzer (2010 gegen Rafael Nadal) vorerst die einzigen Österreicher bleiben, die gegen eine Nummer eins gewonnen haben. Thiem will nun "weiter hart arbeiten, um in den nächsten Wochen und Monaten den Abstand zur absoluten Spitze weiter zu verringern".

Nach den beiden Masters-1000-Turnieren in Indian Wells und Miami, bei denen er mit dem Achtelfinale das Soll erreicht hat - "nicht mehr und nicht weniger", wie der Weltranglisten-14. betonte - geht es vorerst zurück zum Training in die Heimat, ehe mit Monte Carlo der erste Saison-Höhepunkt auf Sand auf dem Programm steht, auf den sich Thiem besonders freut. "Es ist mein großes Ziel, auf Sand richtig gute Ergebnisse zu schaffen bei den Masters-Turnieren und dann natürlich dem ganz großen Highlight in Paris", meinte der Niederösterreicher. Im Vorjahr schied er dort in der zweiten Runde gegen Pablo Cuevas aus. Mit den Erfahrungen und dem Selbstvertrauen von heuer darf’s diesmal ruhig ein bisschen mehr sein.