Mexiko Stadt. Die Szenerie wirkte bezeichnet und war nicht unbedingt dazu geeignet, dem angekündigten Reformkurs des Weltfußballverbandes Fifa zu trauen. Den Fußball wieder ins Zentrum zu rücken - so lautet das Mantra des neuen Präsidenten Gianni Infantino. Doch zum Auftakt des ersten regulären Fifa-Kongresses in seiner Ära in Mexiko Stadt stand nicht der Fußball im Mittelpunkt, sondern ein riesiges Partyzelt, das bei einem Legendenkick inmitten des Azteken-Stadions für Funktionäre und VIP-Gäste direkt am Mittelkreis aufgebaut worden war. Luís Figo, Fabio Cannavaro, Ronaldinho und Co. blieb nur eine knappe Platzhälfte für ihr launiges Promotionspiel. Für Bodenhaftung steht das nicht gerade sinnbildlich.

Auch die bisherige Infantino-Bilanz zeugt noch nicht von großen Fortschritten bei der Runderneuerung. Ein Generalsekretär wird weiter gesucht. Kein neues Council-Mitglied ist gewählt. Das wird auch in Mexiko noch nicht passieren. Greifbarer ist indessen die Abstimmung über den überarbeiteten Etatentwurf bis 2018, den Infantino beim Kongress durchbringen will. Am Ende des Zyklus’ soll nach der WM 2018 ein Plus von 90 Millionen Dollar stehen. Im Paket sind aber erst einmal die um 122 Millionen Dollar zu geringen Wirtschafterwartungen für das Geschäftsjahr 2015 wegen der aus dem Korruptionsskandal resultierenden Anwaltskosten. Brisant ist vor diesem Hintergrund auch ein Wahlkampfversprechen von Infantino, das mitabgesegnet werden soll. Fünf Millionen Dollar pro Verband hatte er ausgelobt, obwohl er als Präsident keine Gelder mehr nach Gusto verteilen kann. Die Erhöhung der Zuwendungen um mehr als 200 Prozent, die den Gesamtetat mit mehr als einer Milliarde Dollar belasten, gehört aber zum Budget, das zur Abstimmung steht. Geopolitisch interessant sind die Aufnahmeanträge des Kosovo und Gibraltars. Beide werden wohl künftig zum Weltverband gehören, der dann 211 Mitglieder hat.