Wien. Einmal noch. Ein letztes Mal, ein zweihundertdrittes Mal. Viktor Szilagyi hat am Mittwoch Abschied vom österreichischen Handball genommen. 18 Jahre lang hat Szilagyi die Nationalmannschaft geprägt und als Kapitän zu Erfolgen geführt, die zu Beginn seiner Karriere noch sehr weit weg waren. Österreich bei einer WM oder EM? Ja, im Traum.

Zuerst einmal hat es Szilagyi raus aus Österreich geschafft, nach Deutschland, wo er bis zuletzt spielte, dreimal Meister und fünfmal Europasieger wurde. Auf seiner Position als Spielmacher gehörte Szilagyi jahrelang zur Weltelite. Er spielte in Sphären, von denen andere österreichische Mannschaftssportler damals ebenso weit entfernt waren wie Szilagyi eben von einer Endrunden-Teilnahme mit Österreichs Nationalmannschaft.

Als Viktor Szilagyi mit nun 37 Jahren mit ebendieser Nationalmannschaft seinen letzten Akt in der Albert-Schulz-Halle in Wien zelebrierte, konnte er auf insgesamt vier Teilnahmen bei Welt- und Europameisterschaften zurückblicken. Träume werden nämlich manchmal wahr. Gut, die erste EM war jene in Österreich, da reichte als Qualifikation das Ausrichten. Doch nach einem sensationellen neunten Platz 2010, Szilagyi hatte die 30 bereits überschritten, fuhr die ÖHB-Equipe noch drei Mal zu Großereignissen, zuletzt bei der WM 2015 in Katar.

Bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jänner in Frankreich wird nicht nur Szilagyi fehlen, auch Österreich verpasste den Sprung dorthin. Das Losglück war in diesem Fall ein Lospech und bescherte Österreich den zweifachen Europameister Dänemark im Playoff, ein Land mit ungefähr 20 Szilagyis, wenn man so will.

Auswärts hatte man 50 Minuten lang gut mitgehalten. Leider wird im Handball jedoch erst nach 60 Minuten abgepfiffen, Österreich verlor mit acht Toren, womit die Angelegenheit vor dem Rückspiel erledigt war. Dänemark war auch in Wien die klar bessere Mannschaft, ging bald in Führung und baute diese auch schnell aus. Nach der Pause schaffte Österreich vor rund 3000 Zuschauern einmal den Ausgleich, dann zogen die Dänen wieder weg und siegten am Ende 23:20.

Im heimischen Handball hat sich seit Szilagys Karrierebeginn viel verändert. Einige folgten seinem Weg und gingen nach Deutschland. Nikola Bilyk wird diesen Schritt im Sommer wagen. Der 19-Jährige wechselt nach Kiel, jenem Verein, mit dem Szilagyi dreimal Meister war.