Kiew. Österreichs Davis-Cup-Team ist im Zweitrunden-Länderkampf der Europa-Afrika-Zone I von Freitag bis Sonntag gegen die Ukraine Außenseiter. An dieser Tatsache ändert auch nichts, dass Gerald Melzer kurzfristig dank Sondergenehmigung der ATP noch nach Kiew reisen durfte. Der als Nummer eins einlaufende Niederösterreicher spielt am Freitag im zweiten Match nach 11 Uhr MESZ gegen Sergij Stachowskij.

Erstmals in seiner jungen Karriere eröffnet Dennis Novak einen Länderkampf für Österreich. Dies ergab die Auslosung am Donnerstag, die keine Überraschungen in den Aufstellungen brachte. Der 22-jährige Niederösterreicher, der zuletzt in Portugal im Schlusseinzel seine Premiere im ÖTV-Team gefeiert hatte, trifft auf Illja Martschenko. Letzterer liegt als Nummer 84 exakt einen Platz vor Stachowskij und fungiert damit als Nummer eins der Gastgeber auf dem schnellen Decoturf-Hartplatz.

Ohne Top-Ten-Mann Dominic Thiem und auch Doppelspezialist Alexander Peya, die beide zugunsten des ATP-500-Turniers in Hamburg auf die Reise nach Kiew verzichteten, wird es nun für Gerald Melzer, Novak, Jürgen Melzer und Philipp Oswald ein nicht leichter Gang. Thiem hatte beim 4:1-Auswärtserfolg über Portugal Anfang März zwar drei Punkte beigesteuert, der ungünstige Termin hatte ihn aber zu einer Absage wegen des parallel laufenden Hamburg-Turniers bewegt. Wegen Olympia in diesem Jahr werden in der normalerweise turnierfreien Davis-Cup-Woche gleich drei Turniere ausgetragen.

Zwar fehlt auch dem Gastgeber in Kiew mit Alexander Dolgopolow (ATP-33.) die Nummer eins, verfügt aber in Martschenko und Stachowskij eben über zwei Top-100-Spieler. Gerald Melzer ist als 108. auf dem Sprung in diesen Kreis, Novak ist aktuell Nummer 195. Dennoch sind beide hoch motiviert. "Es ist eine große Ehre, dass ich für Österreich eröffnen kann", sagte Novak am Donnerstag. "Ich hoffe natürlich, dass ich auf 1:0 stellen kann und Gerald dann nachzieht und wir einen erfolgreichen Freitag haben." Der direkt aus Hamburg nach seinem Erstrunden-Aus angereiste Gerald Melzer musste sich freilich vom Sandplatz auf den schnellen Hartplatz umstellen. "Die Umstellung ist nicht so klein, aber als Spieler wird man damit oft konfrontiert, das ist nun mal so", sagte er. "Die Trainings sind gut verlaufen."

"Die Chancen sind vorhanden"

Sein Bruder, der Routinier Jürgen Melzer, sieht Österreich dennoch "auf alle Fälle als Außenseiter". "Martschenko ist gegen Dennis sicher der Favorit. Vor allem auf dem Belag, den sie daher gelegt haben. Man kann sich nicht vorstellen, wie schnell das ist. Es ist auch knallheiß, es brennt runter und trägt dazu bei, dass es noch schneller wird", so Jürgen Melzer. Für das Doppel sieht er sich mit Philipp Oswald aber "voll dabei", Jürgen Melzer rechnet im ukrainischen Doppel fix damit, dass Stachowskij spielen wird. Auch ÖTV-Kapitän Stefan Koubek war nach der Nominierung und Auslosung guter Dinge. "Die Chancen sind meiner Meinung nach vorhanden. Wir sind zwar Außenseiter, aber die Jungs haben echt brav trainiert. Wir haben eine Superstimmung im Team. Die Bedingungen sind sehr schnell hier, und es ist sehr heiß, es wird sicherlich auch eine Konditionsfrage sein."

Auf dem Belag, der laut Eindrücken der ÖTV-Delegation selbst den Ukrainern etwas zu schnell geraten sein dürfte, sind die Aufschläger klar im Vorteil. Der Sieger des Länderkampfs im Campa Tennis Club Butscha in der ukrainischen Hauptstadt spielt vom 18. bis 20. September im Weltgruppen-Play-off um einen Platz in der Weltgruppe 2017.