Der Weltverband ließ die Tür zu Olympia für russische Leichtathleten aber ohnehin offen. Jene, die nachweislich nicht in das Doping-System in ihrer Heimat involviert waren, können Sonderstartrechte beantragen. Bisher wurde ein solches zwei Athletinnen erteilt: 800-Meter-Läuferin Julia Stepanowa, Kronzeugin des umfassenden Sportbetrugs in ihrer Heimat, und Weitspringerin Darja Klischina, die in den USA lebt, erhielten die Genehmigung. Ob sie bei Olympia antreten werden, ist offen.

Genauso offen bleibt, wie nun das IOC mit der Causa umgehen wird. Sicher ist nur, dass das IOC das CAS-Urteil bei der Entscheidung über einen Ausschluss aller Russen von den Rio-Spielen berücksichtigen wird. Das IOC kündigte in einer schriftlichen Stellungnahme an, dass man die Entscheidung zur Kenntnis nehme und die Begründung für das CAS-Urteil studieren und analysieren werde. Grundlage für eine Sanktionierung wird aber vor allem der Bericht von Richard McLaren sein, der im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) die Anschuldigungen untersucht hat.

Der Wada-Bericht hatte unter anderem festgestellt, dass auf Anordnung staatlicher Behörden im Kontrolllabor bei den Winterspielen 2014 in Sotschi positive Doping-Proben russischer Athleten vertauscht und verfälscht worden waren. Zwischen 2012 und 2015 sind laut McLaren zudem 643 positive Proben russischer und ausländischer Sportler in 30 Sportarten aussortiert worden. Außerdem sollen Proben von der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau und der Schwimm-WM 2015 in Kasan manipuliert worden sein.

Nada fordert Ausschluss

Aber nicht nur mit Blick auf den McLaren-Bericht und das CAS-Urteil sieht sich das IOC nun enormem Druck ausgesetzt. Klare Signale kommen auch von den nationalen Anti-Doping-Organisationen. So haben bereits 14 nationale Agenturen IOC-Präsident Thomas Bach aufgefordert, den Komplettausschluss der Russen von Olympia zu beschließen - darunter auch Österreich. "Für mich ist die Beteiligung staatlicher Organe erschütternd. Das ist für jede saubere Sportlerin und für jeden sauberen Sportler, die im Sportalltag die strengen Vorgaben des Wada-Codes erfüllen, ein Schlag ins Gesicht", sagte der Geschäftsführer der heimischen Anti-Organisation (Nada), Michael Cepic, und betonte, dass eine nachgewiesene Beteiligung staatlicher Stellen an der Vertuschung von Verstößen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen "nur einen Ausschluss von internationalen Wettbewerben, insbesondere den Olympischen Spielen Rio 2016, bedeuten" könne.

Es gibt aber auch Athleten und Verbände, die eine pauschale Verurteilung ablehnen. Auch ein Teilausschluss in von System-Doping betroffenen Sportarten wird als Möglichkeit angeführt. Die Entscheidung darüber läge allerdings in der Hand der nationalen Anti-Doping-Agenturen.