Klagenfurt. (art/apa) Sonne, Party, Wasser, Sport: Für die einen bedient das Klagenfurter Beachvolleyball-Turnier alle Klischees einer hedonistischen Konsumgesellschaft, für die anderen ist es schlicht das wichtigste Beachvolleyball-Turnier im Jahr. Selbst den Olympischen Spielen, die am kommenden Freitag in Rio de Janeiro eröffnet werden, wollen die heimischen Topathleten keine größere Bedeutung beimessen. "Für mich ist Klagenfurt immer das Wichtigste. Das ist der Grund, warum ich Beachvolleyball spiele. Ich würde nicht nach Klagenfurt gehen und denken, ich schone mich dort, weil nachher Olympia ist. Das gibt’s bei mir nicht", sagt Alexander Horst, der mit seinem Partner Clemens Doppler im am Donnerstag beginnenden Hauptbewerb einen Spitzenrang in Angriff nimmt.

Nach einer bis dahin eher durchwachsenen Saison haben die beiden beim Major in Poreč Anfang Juli mit einem zweiten Platz ihr bestes Ergebnis im heurigen Jahr geholt, ehe man in Gstaad in der Zwischenrunde ausschied. Beim Heim-Turnier, das heuer erstmals ebenfalls in der Major-Serie angesiedelt ist, ist aber durchaus mehr möglich - auch, weil wegen Olympia nicht alle Top-Teams anreisen. Die Brasilianer Alison/Bruno, amtierende Weltmeister und in Rio topgesetzt, fehlen beispielsweise am Wörthersee ebenso wie andere brasilianische und US-amerikanische Spitzen-Duos. Immerhin aber haben 20 Herren-Paare aus den Top 30 der Weltrangliste genannt, bei den Damen, bei denen der Hauptbewerb schon am Mittwoch beginnt, sind es 18. Aus Österreich sind bei den Herren neben Doppler/Horst auch die ebenfalls für Olympia qualifizierten Alexander Huber/Robin Seidl sowie Thomas Kunert/Christoph Dressler fix im Hauptfeld, bei den Damen die Zwillinge Nadine und Teresa Strauss, Katharina Schützenhöfer/Lena Plesiutschnig und Stefanie Schwaiger/Barbara Hansel. Da es für Letztere knapp nicht mit der Olympia-Qualifikation geklappt hat, ist Klagenfurt der unumstrittene Saison-Höhepunkt für die beiden Routiniers. Hansel wird ihre Karriere nach der Saison beenden, ein ähnlich gutes Ergebnis, wie es ihr schon zweimal mit Semifinalteilnahmen gelungen ist, wäre emotional der krönende Abschluss der Karriere der 32-Jährigen. Schwaiger, die hier 2013 mit ihrer Schwester Doris den EM-Titel gefeiert hat, sagt vor ihrem 13. Antreten am Wörthersee: "Mit Klagenfurt verbinde ich sehr schöne Momente, super Ballwechsel, spannende Spiele und die geilste Stimmung der Welt."

Gespräche über Fortführung

Doch wenngleich die Vorfreude bei allen Beteiligten groß ist, mischt sich darunter auch ein bisschen Wehmut. Denn wenn am Sonntag die 21. Auflage mit dem letzten Ballwechsel endet, könnte dies auch gleichsam das Ende des Turniers bedeuten, zumindest in der jetzigen Form. Der Vertrag mit Hannes Jagerhofers Sportvermarktungsfirma läuft aus, Stadt und Land Kärnten wollen die Subventionen angesichts des Spardrucks deutlich zurückfahren. Anstelle der 840.000 Euro, die die öffentliche Hand bisher beigesteuert hat, wollen Stadt, Land und Kärnten Werbung künftig nur noch insgesamt 400.000 Euro bereitstellen. Eine WM, wie sie Jagerhofer ursprünglich für 2017 im Sinn hatte, wird es damit auf keinen Fall geben. Ein Ausweichen nach Wien, etwa auf die Donauinsel, ist derzeit im Gespräch, wie es danach mit Klagenfurt weitergeht, allerdings offen.

Möglicherweise wird es das Turnier in abgespeckter Form wieder geben, diesbezügliche Verhandlungen laufen. Ein runder Tisch in der Vorwoche zwischen dem Veranstalter und Vertretern der Politik brachte keine Einigung, stattdessen soll bis Herbst eine Wertschöpfungsstudie erstellt werden. Bei der Auftaktpressekonferenz am Dienstag berichtete Jagerhofer von positiven Gesprächen und guten Entwicklungen, wollte aber nicht näher darauf eingehen.

Peter Kleinmann, Präsident des österreichischen Volleyballverbands, warnte indirekt vor einem Aus am Wörthersee: "Klagenfurt ist die emotionale Trägerrakete für den Beachvolleyballsport in Österreich. Ohne dieses Turnier hätten wir wohl keine Teams bei Olympia am Start", sagte er. Auch Alexander Huber hatte vor wenigen Tagen gemeint: "Wenn es das Turnier in Klagenfurt nicht gegeben hätte, wäre ich vielleicht nicht hier. Als ich jünger war, war es immer mein Traum, einmal hier auf dem Center Court zu stehen." Zumindest diese Woche darf er es noch einmal erleben.