Angelique Kerber: 19 Jahre nach Steffi Graf ist wieder eine Deutsche Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. - © USA TODAY Sports/Robert Deutsch
Angelique Kerber: 19 Jahre nach Steffi Graf ist wieder eine Deutsche Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. - © USA TODAY Sports/Robert Deutsch

New York. (apa/may) Das Finale der US-Open steigt zwar erst am Samstag (22 Uhr MESZ/live Eurosport), doch die beiden Finalistinnen fühlen sich schon vorher wie Siegerinnen. Angelique Kerber erreichte nämlich am Donnerstag nicht nur ihr drittes Grand-Slam-Endspiel in diesem Jahr, sondern erklomm auch den Tennis-Thron bei den Damen - somit ist 19 Jahre nach Steffi Graf wieder eine Deutsche die Nummer eins in der Weltrangliste. Mitverantwortlich für diese Wachablöse ist freilich ihre Endspielgegnerin, die Tschechin Karolína Plíková, die nicht nur die US-Amerikanerin Serena Williams im Halbfinale überraschend eliminierte, sondern diese damit auch von der Pole-Position stürzte.

Die neue Nummer eins hat sich diese Meriten durch erstklassige Leistungen in New York allerdings auch schwer verdient. Die 28-jährige gebürtige Bremerin erreichte nämlich ohne Satzverlust das Finale in Flushing Meadows - übrigens auch hier als erste Deutsche seit Graf anno 1996. "Ich habe versucht, nicht zu sehr an die Nummer eins zu denken, aber es war nicht einfach", erklärte sie nach ihrem glatten Halbfinalsieg (6:4, 6:3) über die Dänin Caroline Wozniacki. Denn bereits vor Spielbeginn wusste Kerber wegen der Niederlage von Williams, dass sie es diesmal an die Ranglistenspitze geschafft hatte. Dennoch verlor sie dadurch nicht die Konzentration. "Die nächste deutsche Nummer eins nach Steffi zu sein, ist eine Ehre für mich. Es ist einfach unglaublich", sagte sie. "Das schwarz auf weiß zu sehen, dass ich die Beste der Welt bin und dass mir das auch nie mehr jemand wegnehmen kann, das ist schon was ganz Besonderes."

Am Samstag wird sich freilich weisen, ob sie den Fokus beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres behalten und ihren zweiten Major-Titel einfahren kann. Anfang des Jahres hat sie ja bereits die Australien Open für sich entschieden, in Wimbledon musste sie sich dann Serena Williams geschlagen geben. Und im Olympia-Finale von Rio war Kerber überraschend der Puertoricanerin Monica Puig unterlegen.

Auch in New York wird es ein neues Siegergesicht geben. Denn die 24-jährige Plíková erreichte nach dem Erfolg gegen Williams überhaupt ihr erstes Endspiel in einem Major-Turnier. Die Linz-Siegerin von 2014 ist die erste Tschechin im US-Open-Finale seit Helena Suková im Jahr 1993. Ihr Trumpf ist der Aufschlag: Keine andere Spielerin der WTA-Tour hat so viele Asse (nämlich deren446) geschlagen wie die Dame aus Nordböhmen.

Ausgerechnet Serenas Schwester Venus diente der Tschechin als Bewährungsprobe, hatte die ältere der beiden doch im Achtelfinale gegen sie das Nachsehen gehabt. "Das Match gegen Venus hat mir sicherlich geholfen. Nicht nur, was das Spiel angeht, sondern auch die Zuschauer", meinte Plíková. "Nun wusste ich, was mich erwarten würde: Ich würde wieder am Center Court gegen eine der Williams-Schwestern und all die Leute da draußen spielen."

Mit 6:2, 7:6 schlug sie in der Nacht auf Freitag dann auch die zweite Williams. Die kommende Weltranglisten-Siebente hat nun nichts mehr zu verlieren. "Ich hoffe, es ist noch nicht vorbei. Ich hoffe, dass ich noch einen Schritt gehen kann. Ich werde alles für diesen Titel geben. Ich habe großes Selbstvertrauen", kündigte die 1,86 Meter große Athletin an.

Womit auch die neue Nummer eins gewarnt ist. Erst recht nach ihrer glatten Zweisatz-Niederlage unmittelbar vor den US-Open in Cincinnati. "Aber ich weiß, wie ich da gespielt habe und was ich anders machen muss. Ich nehme die Herausforderung gegen sie an", sagte Kerber.