Athen/Wien. Bei seinem ersten großen Auftritt als neuer Präsident des europäischen Fußball-Verbandes Uefa gab Aleksander Čeferin ganz den Staatsmann. Schnittiger Kurzhaarschnitt, akkurat gestutzter Bart, schwarzer Anzug und anthrazitfarbene Krawatte, so trat er nach der Wahl, die mit 42:13 deutlich für ihn und gegen seinen niederländischen Kontrahenten Michael van Praag ausgegangen war, vor die Presse. Was für ihn gesprochen habe? "Ganz offensichtlich wollten die Menschen eine Veränderung und neue Gesichter. Und Sie haben gesehen, was heute passiert ist", sagte Čeferin.

Und ganz offensichtlich ist der 48-Jährige ein neues Gesicht, zumindest der breiten Öffentlichkeit war der Anwalt aus Ljubljana bis zur Ankündigung seiner Kandidatur als Nachfolger des über Ethikverstöße gestolperten Michel Platini kaum ein Begriff. In Funktionärskreisen hatte er sich aber schon seit seinem Amtsantritt als Präsident seines slowenischen Heimatverbandes 2011 einen Namen gemacht - was allerdings nicht ohne Kritik blieb. Zuletzt wurde gemunkelt, die umstrittene Sportgroßmacht Russland und Gianni Infantino, der erst kürzlich vom Uefa-Generalsekretärsposten auf den Chefsessel des Weltverbandes Fifa gehievt worden war, hätten für ihn interveniert. In seiner Rede wehrte sich Čeferin gegen diese These: Zwar kenne er Infantino und hoffe, dass er dessen Zustimmung hat ("Jemand, der so lange in der Uefa tätig war, kennt die Organisation"), offizielle Unterstützung habe es aber keine gegeben. "An einem Tag heißt es, ich sei eine Marionette Infantinos, am nächsten eine Marionette Platinis, am dritten Russlands. Die Leute haben offensichtlich ein Problem damit zu verstehen, dass ich unabhängig bin", sagte er. Und: "Kein Verband ist so mächtig, dass er 42 Stimmen bringen kann. Niemand."

Tatsächlich konnte Čeferin neben der Unterstützung aus Russland, Deutschland, das sich um die Austragung der EM 2024 bewerben will, Italien, Portugal und Frankreich vor allem auf jene von zahlreichen kleineren und mittleren Verbänden zählen. Auch Österreichs Verbandschef Leo Windtner, dem das ÖFB-Präsidium keine klare Wahlempfehlung gegeben hatte, bestätigte danach, für den Slowenen votiert zu haben - "weil er unserer Meinung nach die Anliegen der kleineren und mittleren Verbände am besten vertreten wird", wie Windtner in einer ÖFB-Mitteilung zitiert wird. "Mit Aleksander Čeferin ist nun ein echter Neustart in der Uefa möglich, und wir werden ihn auf seinem Weg bestmöglich unterstützen." Freilich, das Wort "Neustart" hat man in den vergangenen Jahren und Monaten schon oft gehört im internationalen Fußball. Auf die Frage, wie er diesen umzusetzen gedenkt, blieb Čeferin dann aber recht vage. Man müsse gegen Spielmanipulationen kämpfen, werde eine Compliance Kommission einführen und auf Transparenz und Good Gouvernance achten. "Die Lücke zwischen den Reichen und den Armen wird immer größer." Auch das hat man schon oft gehört. Die jüngst - ohne sein Zutun - beschlossene Reform der Champions League spricht aber eher nicht dafür, dass sich das ändern wird. "Wir waren nicht informiert", sagte Čeferin dazu nur.

Platini: "Ruhiges Gewissen"

Die Zeit, sein Profil zu schärfen, drängt, will er die Mitglieder überzeugen und länger an der Uefa-Spitze bleiben. Seine Amtszeit endet vorerst im Frühjahr 2019, wenn auch das Mandat seines unfreiwillig vorzeitig gegangenen Vorgängers Platini ausgelaufen wäre. Dieser hatte auf dem Kongress noch einmal einen großen Auftritt, ironischerweise hatte das Fifa-Ethikkomitee, das Platini eigentlich von allen Fußball-Aktivitäten verbannt hatte, ihm per Sondergenehmigung die Chance eingeräumt, sich in einer salbungsvollen Rede von den Delegierten zu verabschieden. "Sie müssen nur wissen, dass ich ein ruhiges Gewissen habe und überzeugt bin, keinen einzigen Fehler gemacht zu haben", erklärte der Franzose. "Wir haben den Fußball geschützt vor Übermaß und allen Verzerrungen. Sie werden dieses wunderschöne Abenteuer ohne mich weiterführen." Nach Neuanfang klingt das nicht gerade, das war von Platini nicht zu erwarten. Auch Čeferin lobte die Uefa trotz der jüngsten Probleme im Prinzip als Erfolgsprodukt. Und was seine ersten Schritte sein werden, weiß er auch schon: "Nach Nyon zu gehen und allen Mitarbeitern die Hände zu schütteln." Ganz Staatsmann eben.